Zeitung Heute : Weniger Drogentote in Berlin

Der Tagesspiegel

Von Ingo Bach

Die Zahl der Drogentoten in Berlin ist im Jahr 2001 deutlich zurückgegangen. Nach Tagesspiegel-Informationen starben im vergangenen Jahr 189 Menschen an den Folgen des Rauschgiftkonsums, 36 weniger als noch im Jahr 2000. Damit ist der seit 1997 anhaltende Aufwärtstrend gebrochen. Eine Bestätigung der Zahlen gibt es aus der Verwaltung der zuständigen Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (PDS) aber noch nicht. Man verweist auf den morgigen Freitag, an dem die Drogenstatistik für 2001 offiziell bekanntgegeben wird.

Die Statistik könnte die Diskussion um Fixerstuben in Berlin beeinflussen. Nach dem Willen der Koalition sollen solche Räume, in denen schwerst Drogenabhängige in hygienisch einwandfreier Umgebung und ärztlich überwacht ihr Rauschgift konsumieren können, auch in Berlin eingerichtet werden. Am kommenden Donnerstag berät das Abgeordnetenhaus einen Antrag von SPD und PDS, die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, um Fixerstuben zu betreiben. In der Debatte wird nun sicher auch die Frage nach dem Bedarf gestellt werden, zumal die CDU Drogenkonsumräume strikt ablehnt.

Gesundheitstaatssekretär Hermann Schulte-Sasse sagte, dass neben dem Bedarf nach „Gesundheitsräumen“ auch geprüft werden müsse, ob es in Berlin überhaupt eine offene, das heißt sichtbar konzentrierte Szene gebe: „Gibt es die nicht, dann brauchen wir auch keine festen Drogenkonsumräume.“ Dann könne man auch mobile Konsumräume, zum Beispiel Busse, einsetzen. Schulte-Sasse verweist auf die möglichen Probleme von festen Konsumräumen: eine sich verfestigende Drogenszene und ein lukrativer Markt für Dealer. Der Staatssekretär steht jedoch weiterhin für eine „ideologiefreie Drogenpoltik in der Stadt“: „Die schwerst Abhängigen sind kranke Menschen, denen man helfen muss.“

„Die neue Zahl der Drogentoten bedeutet keine Entspannung der Situation in Berlin“, sagt Rolf Bergmann, Geschäftsführer der Drogenbratungsstelle BOA e.V., die auch als möglicher Träger für einen Konsumraum im Gespräch ist. „Ein Rückgang von zehn oder fünfzehn Prozent ist eine normale Schwankung.“ Der Rückgang könne viele Ursachen haben, auch zufällige. „Das hängt davon ab, ob der Abhängige bei Problemen gleich gesundheitliche Hilfe findet, oder auch von der Qualität des Stoffes, der gerade im Umlauf ist.“

Drogenberater befürchten nun, dass jetzt rein finanzielle Gründe die geplante Einrichtung von Drogenkonsumräumen scheitern lassen könnten. BOA-Geschäftsführer Bergmann betont deshalb, dass so ein Raum mit angeschlossener Drogenberatung nicht nur der „Vermeidung von Todesfällen“ diene. Es gehe dabei auch um Ausstiegsberatung für die Abhängigen, die man sonst nicht mehr erreichen würde. Eine Fixerstube sei schon für 300 000 Euro im Jahr zu haben.

Eine offene Drogenszene habe Berlin nicht. „Die Szene ist ständig in Bewegung, aber sie konzentriert sich zum Beispiel um den Kottbusser Damm, die Amrumer Straße und Turmstraße.“ Auch Bergmann sieht die Gefahr, dass sich an den Fixerstuben eine offene Szene bilden könnte. Deshalb befürwortet er zwei bis drei dezentrale Drogenkonsumräume außerhalb der „Laufszene“ und dazu eine mobile Fixerstube, die die anderen Treffpunkte anfährt: „Konsumräume dürfen die Anwohner auf keinen Fall belästigen.“

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