Zeitung Heute : Weniger Rohheit und Gewalt in Berlin

Polizei: Niedrigste Verbrechensrate seit 1990 / Rückgang auch bei schweren Straftaten

Tanja Buntrock

Berlin - In Berlin ist die Gesamtzahl der Straftaten in diesem Jahr weiter gesunken – und zwar quer durch fast alle Deliktsbereiche. Das berichtete Polizeipräsident Dieter Glietsch am Montag. Der Rückgang der Kriminalität im Vergleich zum Vorjahr liege bei drei bis vier Prozent. Das sei der niedrigste Stand seit der Wiedervereinigung. Konkrete Zahlen nannte die Polizei nicht, da das Jahr noch nicht zu Ende ist. Es handle sich hier um einen vorläufigen Trend, sagte der Sprecher der Behörde, Frank Millert. Im Jahr 2007 lag die Gesamtzahl der Straftaten in Berlin bei 496 163 Fällen.

Besonders erfreulich ist laut Polizei behörde die signifikante Abnahme bei den Rohheits- und Gewaltdelikten. Deren Zahl sei insgesamt um rund fünf Prozent gesunken. Bei Raubtaten und bei der Jugendgruppengewalt gab es einen Rückgang um etwa 20 Prozent. Diese positive Entwicklung habe mit dem sogenannten Intensivtäterkonzept, das seit fünf Jahren besteht, und mit der umfangreichen Präventionsarbeit der Polizei in Sachen Jugendgewalt zu tun. Aber auch die Zahl der schwerwiegenden Straftaten ist gesunken – bei den Sexualdelikten um 13 Prozent, bei den Tötungsdelikten zwischen 9 und 10 Prozent. Überdurchschnittliche Rückgänge sind auch bei den Taschendiebstählen sowie bei Diebstählen aus Autos zu verzeichnen.

Allerdings gab es in einigen wenigen Deliktsbereichen auch einen deutlichen Anstieg der Straftaten: so etwa beim Ausspähen von EC- oder Kreditkarten, dem sogenannten Skimming. Hier bedienen sich die Täter technischer Geräte, um die Geheimzahlen der Kartenbesitzer am Geldautomaten auszuspähen. Die Zahl stieg um 200 Prozent. Ebenfalls habe es 13 Prozent mehr Wohnungseinbrüche in diesem Jahr gegeben und auch die Zahl der Fahrraddiebstähle habe um 15 Prozent zugenommen.

Der Sprecher der Deutschen Polizeigewerkschaft, Bodo Pfalzgraf, nannte den positiven Vorabtrend „reine Zahlenspielerei“. Das subjektive Sicherheits gefühl der Bürger und Polizisten auf der Straße werde durch den Rückgang der Zahlen nicht richtig widergespiegelt. „Die Bürger fühlen sich nicht viel sicherer“, sagte Pfalzgraf. Doch erfreulich an den vorläufigen Zahlen sei, dass trotz der Einsparungen beim Personal „es zwar viel weniger Polizisten als früher gibt, diese aber eine hohe Leistungsbereitschaft in ihrer Arbeit für den Bürger zeigen“. Die Zahl der Berliner Polizisten ist im Zuge der Sparpolitik auf 16 160 gekürzt worden.

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