Zeitung Heute : Wenn Cowboys schwächeln

Der Tagesspiegel

Von Malte Lehming

Kein Stern strahlt ewig. Das musste in der vergangenen Woche der amerikanische Präsident erfahren. In der Außenpolitik folgte ein Debakel auf das andere. Colin Powell kam aus dem Nahen Osten mit leeren Händen zurück. Hugo Chavez, der Präsident von Venezuela, überstand unbeschadet einen Putschversuch, den das Weiße Haus gerne geglückt gesehen hätte. Schließlich musste die US-Regierung eingestehen, bei der Jagd auf Osama bin Laden schwere Fehler gemacht zu haben. Für George W. Bush, der bei seinen Landsleuten noch immer auf einer dichten Beliebtheitswolke schwebt, war es die bislang schwärzeste Woche seit dem 11. September. Sie könnte eine Wende in seiner Präsidentschaft einleiten.

Denn zu den außenpolitischen Rückschlägen gesellt sich erstmals auch ein nennenswerter Widerstand gegen seine Politik im eigenen Land. In Washington wurde Bush bei der größten Pro-Israel-Demonstration, die es dort jemals gab, der Paktiererei mit dem palästinensischen „Oberterroristen“ Jassir Arafat bezichtigt. Die Neokonservativen verdammen das neu erwachte Nahost-Engagement der USA ohnehin. Powell in den Nahen Osten entsandt zu haben, wird von ihnen als erster großer Fehler von Bush gewertet. Das lenke nur von dem wichtigeren Ziel ab, Saddam Hussein zu stürzen.

Und gleich eine doppelte Schmach erlitt Bush am Donnerstag im Kongress. Mit den Stimmen von acht abtrünnigen Republikanern stimmte der Senat gegen den Plan, in einem Naturschutzreservat in Alaska nach Öl zu bohren. Damit ist eines der zentralen Elemente der Energiepolitik von Bush gekippt worden.

Zum ersten Mal wurde dieser Präsident bei einem Topthema vom Parlament in die Schranken verwiesen. Doppelt schwer wiegt dessen Niederlage, weil den Sieg drei der profiliertesten Demokraten errungen haben: Thomas Daschle, John Kerry und Joseph Lieberman. Sie alle gelten als aussichtsreiche Herausforderer von Bush bei den Präsidentschaftswahlen im Jahre 2004.

Langsam verblasst der Stern. Auf Glühwürmchenlänge ist die Strahlungsintensität von Bush zwar noch längst nicht geschrumpft. Aber zum ersten Mal überhaupt seit dem 11. September wirkt der US-Präsident angegriffen, schwach und ratlos. Wenn dieser Eindruck anhält, dürfte es in Amerika bald wieder eine Opposition geben.

Schlecht wäre das nicht.

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