Zeitung Heute : Wenn das Licht der Lampen Falter lockt

Der Tagesspiegel

Die Tage werden länger und die Nächte wohl bald auch wärmer – nicht nur das Leben der Menschen verändert sich. Es werden auch wieder viele nachtaktive Insekten unterwegs sein. Ihnen gilt die Sorge des „Bundes für Umwelt und Naturschutz“ (Bund), der noch bis Jahresmitte auf einer Ausstellung im Tropenhaus des Zoos Berlin zeigt, wie man diese Tiere durch die richtige Wahl der zum Beispiel im Garten angebrachten Beleuchtungskörper besser schützen kann. Aber auch Ämter, die über die Art der öffentlichen Beleuchtung entscheiden, sowie Ladeninhaber, die nachts ihre Werbetafeln illuminieren, werden angesprochen.

Die Motten und Schmetterlinge sind nämlich von bestimmten Lichtquellen besonders stark bedroht. Denn die Leichtflügler sind von Natur aus darauf getrimmt, sich bei der Futter- und Partnersuche nach dem schwachen Licht des Mondes und der Sonne zu orientieren.

Kommt nun künstliche Beleuchtung hinzu, werden die Tiere abgelenkt, vor allem dann, wenn dieses Licht von Quecksilberdampf-Hochdrucklampen stammt, wie sie wegen ihres neutral weißen Lichts oft für die Straßenbeleuchtung eingesetzt werden. Aber auch Kompaktleuchtstofflampen, die vielfach im privaten Bereich genutzt werden, locken noch zu viele Falter an.

In einer Broschüre des Bund wird auch dargestellt, weshalb manche Leuchtkörper gefährlicher sind als andere. Es geht um die Frequenz, die Wellenlänge des jeweiligen Licht-Anteils. Der Mensch nimmt Licht im Bereich von 750 bis 370 Nanometer (milliardstel Meter) wahr, das Spektrum von Rot bis Blau. Beim Falter beginnt der empfindliche Bereich deutlich höher, er sieht erst von 600 bis unter 300 Nanometer (von Gelb-Grün bis ins Ultraviolett hinein). Für Außenbeleuchtungen, insbesondere für jene, die hell und langlebig sein müssen, werden keine Glühlampen mehr verwendet, sondern Gasentladungslampen.

Bei ihnen wird vom elektrischen Strom ein Metalldampf angeregt. Er schwingt dann in der für den Stoff charakteristischen Frequenz. Natriumdampf-Hochdrucklampen spielen ihre Leuchtkraft vor allem im gelben Bereich aus, zum Grün hin wird die Intensität schwächer, Blau ist fast gar nicht mehr vorhanden. Und so nehmen wir das Licht solcher Lampen auch wahr: außerordentlich gelblich. Quecksilberdampf hingegen besitzt zusätzlich noch hohe Intensitäten im blauen und zu Beginn des UV-Bereichs. Das Licht kommt uns deshalb weiß vor, es lockt aber eben auch die Falter an.

Ist die Lichtintensität groß, dann schwirren die Falter so weit heran, bis es ihnen zu hell wird. Schließlich sind ihre Sehwerkzeuge extrem lichtempfindlich. Ganz verlassen können sie den Bereich aber auch nicht. Und so fliegen sie meist in einer Kreisbahn darum herum, bis sie völlig erschöpft sind. Damit sind sie eine schnelle Beute für Vögel und Fledermäuse, die sich auf das um die Leuchten taumelnde Futter offenbar schon gewöhnt haben. Die Mahlzeit steht ihnen zwar zu, doch nicht zu früh. Schließlich brauchen die Insekten noch die Zeit, sich fortzupflanzen. Gelingt das nicht mehr, ist das gesamte Biotop bedroht.

Die Konsequenz für die Naturschützer: Auf Lampen mit hohem Blau- und UV-Anteil sollte verzichtet werden. Damit lassen sich zudem auch noch Stromkosten in erheblicher Größenordnung sparen, wird in Beispielen vorgerechnet. Überdies gibt es noch einige Hinweise darauf, welche Bauart der Leuchten anderen Angeboten auf dem Markt vorzuziehen sind.

Ganz schlimm ins Gericht geht der Bund mit den so genannten Skybeamern, also mit jenen Leuchtfingern, die meist bei Discotheken hoch in den Nachthimmel strahlen. Solche Anlagen könnten sogar ganze Zugvögelschwärme irritieren. Gideon Heimann

Die Infos gibt es auch in einer sehr ausführlichen Broschüre zu dem Thema. Sie ist zu beziehen über den Bund, Crellestraße 35, 10827 Berlin, Telefon 776 19 79

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