Zeitung Heute : Wenn der ganz alltägliche Müll zu Kunst wird

Die Schüleruniversität „schools@university Klima + Energie“ macht Umweltthemen begreifbar / Anmeldungen vom 22. Februar an möglich

Kunst und Müll sind manchmal nur schwer voneinander zu unterscheiden. So wurde schon manches Kunstwerk versehentlich von Putzkolonnen entsorgt, die es für Abfall hielten. Das kann den Exponaten im Foyer der Conrad-Grundschule in Berlin-Wannsee nicht passieren. Denn dort weiß jeder, dass die ausgestellten Skulpturen etwas ganz Besonderes sind. Sie wurden von Schülern geschaffen. Aus Müll.

Im September 2010 besuchten die Klasse 6b der Conrad-Schule gemeinsam mit ihrer Lehrerin Pirko Krause die Schüleruniversität „schools@university Klima + Energie“ an der Freien Universität. Diese wird seit 2009 vom Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität (FFU) und der Berliner Energieagentur organisiert. Auch in diesem März findet sie wieder an der Uni statt.

Im Rahmen der Schüleruniversität nahmen die Kinder an dem Kunstworkshop „Trash it up“ teil, der kreatives Basteln mit energiepolitischen Aspekten wie Ressourcenschonung und Abfallvermeidung verbindet. In vier Stunden entstanden originelle und fantasievolle Objekte und Skulpturen. Die einzige Vorgabe der Künstlerinnen Rebecca Fässler und Ellen Roters, die den Workshop leiteten: Als Bastelmaterial war nur Hausmüll erlaubt. Entstanden sind unter anderem eine Männerhandtasche, ein angeleinter Hund und ein Müllmonster. „Tinkerbell“ heißt der Hund, den Katharina Flinder erschaffen hat. Der Körper des Hundes besteht aus einem Plastikbehälter. Daneben hat die Grundschülerin Mülltüten, Flaschendeckel und orange-farbige Fahrradreflektoren verbaut. „Die Leine ist eigentlich Teil eines Fahrradreifens“, erklärt Katharina. Wie viele andere Exponate ist ihr Hund unverkäuflich.

Dass Handtaschen auch für Männer ein passendes Accessoire sein können, hat ein weiterer Schüler der Klasse bewiesen. Die Handtasche besticht vor allem durch das große Logo einer französischen Automarke. „Es kommt uns bei der Schüleruni darauf an, die etwas abstrakte Themenwelt Klima und Energie für Kinder greif- und erlebbar zu machen, sie also in den Alltag der Kinder einzubeziehen“, sagt Karola BraunWanke, verantwortlich für das Programm am FFU. „Durch das Angebot, das Kunst, naturwissenschaftliche Experimente, Artistik, Theater und kreatives Schreiben miteinander verbindet, soll der Besuch der Schüler auf dem Campus zu einem Erlebnis werden, das sie zu verantwortungsvollerem Handeln im Alltag motiviert.“

Das Projekt „schools@university Klima + Energie“ wurde inzwischen vier Mal an der Freien Universität organisiert. Inzwischen haben insgesamt 6700 Kinder aus 220 Berliner Schulen an den Mitmach-Vorträgen und Workshops zu naturwissenschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Aspekten des Klimaschutzes teilgenommen. Die Schüleruniversität ist Teil des europäischen Projekts „Schools at University for Climate and Energy (SAUCE)“, das durch das Programm „Intelligent Energy Europe“ der Europäischen Union finanziell unterstützt wird. Projektpartner sind neben der Freien Universität Berlin und der Berliner Energieagentur sechs Universitäten aus Dänemark, Großbritannien, Lettland, den Niederlanden und Österreich. So werden in sieben europäischen Städten Schüleruniversitäten für den akademischen Nachwuchs zu den Themen Klima- und Umweltschutz ausgerichtet. Dass die Schüleruniversität einen wichtigen Beitrag zur Bildung von Kindern auf dem Gebiet des Klimaschutzes leistet, wird auch von der deutschen Unesco-Kommission bescheinigt. Das Vorhaben wurde von ihr bereits zum zweiten Mal als Vorbild für die von den Vereinten Nationen ausgerufene Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ gewürdigt.

Die nächste Schüleruniversität auf dem Campus der Freien Universität wird vom 21. bis 25. März 2011 stattfinden. Anmeldungen für Schulklassen sind vom 22. Februar 2011 an online möglich unter: www.schools-at-university.eu/berlin. Die Schüleruniversität im März wird allerdings vorerst die letzte ihrer Art sein. Das von der Europäischen Union geförderte Projekt läuft in diesem Jahr aus. An einer Fortsetzung wird bereits gearbeitet. Die Schüler der Klasse 6b werden dann nicht mehr mitmachen können, weil sie die Altersgrenze für eine Teilnahme überschritten haben. Doch ihre Kunstwerke, zumindest einige von ihnen, werden im Foyer ihrer Schule verbleiben: Ansporn genug für die jüngeren Mitschüler, der Klasse 6b nachzueifern.

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