Zeitung Heute : Wenn der Koffer verloren geht

Koffer I. Muss ein Pauschaltourist eine achttätige Reise (hier durch China) ohne eigenes Gepäck mitmachen, weil es bei einem Zwischenstopp (hier: in Bukarest) zurückgeblieben ist, so haftet der Reiseveranstalter für den Fehler der Fluggesellschaft und muss den Reisepreis nachträglich (hier: um 50 Prozent) mindern (Amtsgericht Nürnberg, Aktenzeichen 45 C 7300 / 96). W. B.

Koffer II. Wer sein Reisegepäck bis zur Abfahrt zum Flughafen bei der Hotelrezeption deponiert, anschließend aber mitgeteilt bekommt, die Koffer seien nicht mehr vorhanden, der kann dafür nicht den Reiseveranstalter haftbar machen, sondern muss sich an den Hotelier halten (Landgericht Hamburg, AZ 313 S 259 / 97). W. B.

Blinde Urlauber. Vor 20 Jahren ging eine Welle der Empörung durch Deutschland: Das Landgericht Frankfurt am Main (Aktenzeichen 2/24 S 282 / 79) urteilte Ende Februar 1980, die Anwesenheit von Behinderten im Ferienhotel sei ein Reisemangel. Ihr Anblick führe bei "empfindsamen Menschen zu einer Beeinträchtigung des Urlaubsgenusses". Nun zog ein Urlauber deshalb wieder vor den Kadi - ihm missfiel der Anblick blinder Touristen. Vor dem Amtsgericht Bad Homburg (Aktenzeichen 2 C 2096 / 99) handelte er sich die gerechte Abfuhr ein. "Die Anwesenheit von Behinderten in einem Hotel", so der Richterspruch kurz, knapp und unmissverständlich, "stellt keinen Reisemangel dar". tdt

Schimmelige Töpfe. Hat sich eine Familie eine Ferienwohnung gemietet, ist die Unterkunft jedoch nicht bewohnbar (hier: Kühlschrank und Klimaanlage defekt; fehlendes Kinderbett; verschimmelte Kochtöpfe; keine Tassen; bei Benutzung der Lichtschalter flogen sämtliche Sicherungen heraus), so kann der Urlaub sofort abgebrochen werden. Der Veranstalter hat die Mehrkosten für die Rückreise und Schadenersatz (hier: 1400 Mark) ersetzt - (Landgericht Frankfurt am Main, AZ 2/24 S 206 / 95). W. B

Plastikarmband. In einem All-inclusive-Hotel müssen Urlauber ein Plastikarmband tragen, auch wenn sie sich in ihrer Menschenwürde verletzt und "wie Tiere oder Säuglinge" behandelt fühlen. Wer günstig pauschal buche, entschied das Landgericht Köln (Aktenzeichen 11 S 216/98), müsse diese "geringe Beeinträchtigung" des Wohlbefindens hinnehmen. Außerdem könnten Reiseveranstalter oder Hotels einen Nachweis verlangen, dass der Urlauber zum Erhalt der Leistungen berechtigt sei. Ein Reisemangel sei auch dann nicht gegeben, wenn der Urlauber außerhalb der Ferienanlage als "All-inclusive-Tourist" erkennbar sei. faf

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