Zeitung Heute : Wenn die FDP haiderisiert, treten wir aus!

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Betrifft: „Es geht um die Partei“ im Tagesspiegel vom 24. Mai 2002

Sehr geehrter Herr Bundesvorsitzender, lieber Guido Westerwelle,

jetzt geht es um die Partei, wie der Tagesspiegel zutreffend titelt. Möllemann droht, dass er das kein zweites Mal akzeptieren werde, ausgerechnet im Deutsch-Arabischen Club, offenbar sein zweites Zuhause. Zusätzlich verpasst er Ihnen geradezu eine Ohrfeige, wenn er bekräftigt, dass Karsli ihm persönlich in der Fraktion zuarbeiten wird. Hatten Sie nicht verharmlosend in die Kameras bedeutet: Karsli wird nur den Kopierer mitbenutzen!? Dann folgt seine unverschämte Äußerung verdienten Liberalen gegenüber, die ihn zu kritisieren wagten: „Die Bedeutung von Politikern wie Hildegard Hamm-Brücher und Burkhard Hirsch liegt in der Vergangenheit und nicht in der Jetzt-Zeit.“

Noch ist es zum Glück nicht so weit, dass Herr Möllemann über das „out“ oder „in“ zu befinden hat. Sie, lieber Guido Westerwelle, sind allerdings aufgerufen, Führungsstärke zu zeigen und Ihrerseits Jürgen Möllemann sein „out“ klarzumachen, das sich vor allem durch seine ständig wiederholte antisemitische Stereotype begründet: „Friedman weckt selbst durch seine intolerante und gehässige Art Antisemitismus.“

Wir sind nur wenige Mitglieder der Jüdischen Gemeinde in der FDP, deshalb mussten Sie sich offenbar auch keine Gedanken darüber machen, wie wir uns bei diesen unsäglichen Ausfällen des stellvertretenden Bundesvorsitzenden fühlen. Aber als verantwortungsbewusster Politiker hätten Sie die Gefühle der Minderheiten in Deutschland nicht aus dem Blick verlieren dürfen. Unser ehemaliges Mitglied Ignatz Bubis s. A., auf den Sie sich doch zu dessen Lebzeiten so gerne berufen haben, dreht sich im Grabe um ob Ihrer Verzagtheit, die einen so faulen Kompromiss zugelassen hat: Karsli zieht sein Mitgliedsersuchen zurück und bleibt parteilos in der Fraktion.

Sollte sich aus dem Zuspruch von rechts außen, der sich auf den Chat-Seiten zeigt und sich wohl auch in den Briefsendungen an Möllemann deutlich machen würde – wenn er sie Ihnen nur zeigte - die künftige Wählerschaft der FDP entwickeln, wäre das dann tatsächlich die „Haiderisierung“ – Kanzler Schröders Wort – der FDP, allerdings auch der endgültige Austrittsgrund für mich und meine Familie, und wir werden nicht die Einzigen bleiben.

Susanne Thaler (FDP-Ortsvorsitzende Dahlem, ehemaliges Mitglied des BuV), Berlin-Dahlem

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