Zeitung Heute : Wenn die Kinder aus dem Haus sind - Hilfen für den Hürdenlauf beim Wiedereinstieg in das Berufsleben

Michaela Böhm

Fast alle Frauen nehmen eine Auszeit, wenn sie ein Baby bekommen. Jedes Jahr kehren 500 000 zurück in den Beruf. Am schwersten fällt das Frauen, die viele Jahre vom Job pausiert haben. Der Weg zurück ist häufig voller Stolpersteine hohe Frauenarbeitslosigkeit (besonders in den Neuen Bundesländern)

ein Stellenmarkt, der sich in "Männerjobs" und "Frauenjobs" aufteilt

zu wenig Teilzeitarbeitsplätze eine technologische Entwicklung, die einmal Gelerntes schnell veralten läßt. Auch Frauen mit dreijähriger Erziehungszeit müssen sich mit Jobs unterhalb ihrer Qualifikation arrangieren und jonglieren zwischen Arbeitszeit und Schule oder Kindergarten. Es gilt: Je kürzer die Unterbrechung, desto leichter der Wiedereinstieg. Wichtig ist vor allem, sich über die gesetzlichen Rahmenbedingungen - mit all ihren Chancen, aber auch Einschränkungen - rechtzeitig im klaren zu sein. Hinter wenigen Begriffen verbergen sich zahlreiche Möglichkeiten, in der Berufswelt wieder Fuß zu fassen Berufsrückehrerinnen. So heißen im Amtsdeutsch Wiedereinsteigerinnen. Als Berufsrückkehrerinnen gelten nach dem Sozialgesetzbuch III Frauen, die ihre Berufstätigkeit unterbrochen haben, um für ihre Kinder (bis 15 Jahre) da zu sein oder einen pflegebedürftigen Angehörigen betreuen. Als berufstätig gilt auch, wer selbstständig gearbeitet, eine Berufsausbildung gemacht hat oder arbeitslos war. Wer als Berufsrückkehrerin deklariert ist, gilt als besonders förderungswürdig. Allerdings müssen sie arbeitslos gemeldet sein (selbstverständlich gilt die Rechtslage auch für Männer).

Berufliche Weiterbildung. An "Maßnahmen zur Fortbildung oder Umschulung" können Frauen teilnehmen, die arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind, falls die Förderung als notwendig anerkannt wird. Voraussetzung ist eine Berufsausbildung oder eine dreijährige Berufstätigkeit. Hierunter fällt auch die Arbeit im eigenen Haushalt, wenn Kinder oder Pflegebedürftige betreut wurden. Frauen im Erziehungsurlaub haben keinen Anspruch auf Förderung. Das Arbeitsamt fördert solche Weiterbildungen, die auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind. Auf keinen Fall sollte man auf eigene Faust einen Lehrgang buchen und hoffen, dass das Arbeitsamt nachträglich bewilligt.

Geld. Hat das Arbeitsamt eine Weiterbildungsmaßnahme genehmigt, zahlt es auch die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren, Lernmittel und Fahrtkosten. Berufsrückkehrerinnen haben darüber hinaus Anspruch auf Unterhaltsgeld. Voraussetzung dafür ist, vor der Betreuungs- oder Pflegezeit mindestens ein Jahr lang versicherungspflichtig gearbeitet zu haben.

ABM. An einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme kann teilnehmen, wer zwölf Monate arbeitslos ist, Anspruch auf Arbeitslosengeld (oder -hilfe) oder Unterhaltsgeld hat.

Kinderbetreuung. Kurse, die Wiedereinsteigerinnen absolvieren, müssen zeitlich so organisiert werden, dass Kinder und Pflegebedürftige nicht in die Röhre schauen. Im Klartext: Weiterbildung in Teilzeit ist möglich (Teilunterhaltsgeld). Die Kosten zur Kinderbetreuung können bezuschusst werden .

Zuschuss für die Firmen. Wiedereinsteigerinnen können den neuen Arbeitgeber darauf hinweisen, dass ihnen das Arbeitsamt sechs Monate lang 30 Prozent Zuschuss zum Lohn zahlt. Das ist eine Pflichtleistung des Arbeitsamtes.

Beauftragte für Frauenbelange. Sie ist die Ansprechpartnerin für Wiedereinsteigerinnen im Arbeitsamt. Frauenbeauftragte in Städten, Gemeinden oder bei den Ländern geben Informationen über Sonderprogramme zur beruflichen Förderung von Frauen.

Jour fixe. Hier können sich Frauen über ihren beruflichen Wiedereinstieg und die Fördermöglichkeiten informieren. Die Veranstaltungen sind kostenlos und in der Regel ohne Anmeldung zu besuchen. Wann und wo der Jour fixe stattfindet (nicht in allen Städten), erfährt man im Arbeitsamt.

Broschüren. "Informationen für Frauen - sich profilieren" heißt Heft 7 aus der Schriftenreihe "IBZ - Ihre berufliche Zukunft". Kostenlos im BIZ. Die finanziellen Hilfen des Arbeitsamtes sind in der Broschüre "Was? Wieviel? Wer?" zu finden.

BIZ (Berufsinformationszentrum). In jedem der bundesweit rund 180 BIZ kann man sich kostenlos über einzelne Berufe, Berufsfelder und Arbeitswelt informieren. In jedem BIZ steht ein Computer mit der KURS-Datenbank (auch für Laien zu bedienen) mit Angeboten aus der Aus- und Weiterbildung. "Ihre berufliche Zukunft" - heißen die kostenlosen Hefte zu einzelnen Branchen wie Metall oder Textil / Bekleidung / Leder, aber auch zu Themen wie "2. Bildungsweg" oder "Der Einstieg zum Aufstieg".

KURS-Datenbank. Wer das Ziel seiner Weiterbildung kennt und nur noch Adressen braucht, ist bei KURS richtig. Die größte Datenbank für Aus- und Weiterbildung der Bundesanstalt für Arbeit hat mehr als 300 000 Angebote gespeichert. KURS kann in allen Berufsinformationszentren der Arbeitsämter angeklickt werden. Wer einen eigenen Internet-Anschluss hat, klinkt sich für zehn Tage mit einem kostenlosen Gast-Passwort unter www.kursdirekt.de ein.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar