Zeitung Heute : Wenn die Nase kribbelt

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Kann man einer Erkältung vorbeugen?

Hartmut Wewetzer

Niesen, kratziger Hals, verstopfte oder triefende Nase, Husten – das sind ziemlich sichere Zeichen dafür, dass man sich einen Schnupfen eingefangen hat. Denn jetzt ist wieder Saison. Nicht nur bei uns wird der Schnupfen gern mit der Grippe (Influenza) in einen Topf geworfen, deshalb vorab eine kurze Klärung. Die Unterschiede sind meist beträchtlich. Zwar werden sowohl Schnupfen als auch Grippe durch Krankheitserreger hervorgerufen, die die Atemwege befallen. Eine „echte“ Grippe aber ist seltener und trifft einen viel härter. Fieber zwischen 39 und 40 Grad, erhebliche Kopf-, Brust- und Gliederschmerzen und Erschöpfung stehen bei der Grippe im Vordergrund. Und: Ein Schnupfen ist meist nur lästig. Die Grippe dagegen kann tödlich enden, vor allem bei älteren Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Zurück zum Schnupfen, auch Erkältung genannt (obwohl man von Kälte keinen Schnupfen bekommt). Schätzungsweise 300 Millionen Mal schlägt er jedes Jahr bei uns zu. Weil mehr als 200 verschiedene Viren als Verursacher in Frage kommen, erübrigt sich eine Impfung. Es gibt keine und wird keine geben.

Kann man trotzdem vorbeugen? Ja, aber nur in Maßen. Waschen Sie sich in diesen Wochen öfter mal die Hände, um Keime loszuwerden. Lassen Sie die Hände von Augen und Nase, weil Sie sonst Keime von den Händen auf Ihre Schleimhäute übertragen. Gehen Sie auf Distanz zu Menschen mit Schnupfen, zumindest räumlich.

Substanzen wie Zink, Echinacea-Extrakte und Vitamin C zur Vorbeugung dagegen sind eher Glaubenssache, genauso wie die Hoffnung, dass Sport oder gesunde Ernährung den nervigen Nasenviren Grenzen setzen. Am besten, man wird älter. Kinder haben im Jahr an die zehn Erkältungen, Menschen jenseits der 60 weniger als eine.

Wenn es einen erwischt hat, sollte man sich ein wenig Bettruhe gönnen, ausreichend trinken, bei Bedarf gurgeln und die wunden Nasenflügel einfetten. Gegen Kopfschmerzen und erhöhte Temperatur helfen Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure („Aspirin“, „ASS“, nur für Erwachsene) oder Paracetamol, gegen die verstopfte Nase ein Nasenspray. Die Arzneimittel sollte man nur wenige Tage und vorschriftsmäßig einnehmen. Verkürzen können sie den Schnupfen nicht.

Und dann gibt es da noch ungezählte Hausmittel, angefangen bei heißer Hühnersuppe, Grog und Dampfinhalationen. Ich kann mich daran erinnern, als Kind mit heißer Zitrone und Lindenblütentee mit Honig behelligt worden zu sein – brr. Bei all diesen Rezepten gilt: Wem sie gut tun, warum nicht? Aber wer sich quälen muss, kann auch auf sie verzichten. Der Schnupfen dauert mit und ohne Mittelchen seine sieben Tage. Meistens.

Und natürlich gibt es Situationen, in denen man zum Arzt gehen sollte. Beschwerden beim Atmen und Luftnot, Fieber und Husten, die nicht weichen wollen, Erbrechen und Durchfall, schmerzhaftes Schlucken und eine ständig verstopfte Nase oder permanente Kopfschmerzen sind Probleme, bei denen Sie einen Experten zu Rate ziehen sollten.

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