Zeitung Heute : Wenn die Winde günstig wehen

Auf gutem Kurs: Die 5. Ars Nobilis lockt mit Gemälden, Möbeln, kunstgewerblichen Objekten auf eine Entdeckungsreise durch die Zeit

Michael Zajonz

Nicht nur das „Art Forum“, die Messe für zeitgenössische Kunst in Berlin, wittert Morgenluft. Auch die Freunde alter Kunst spüren frischen Wind. Auf zehn Ausgaben hatte es die „Orangerie“ gebracht, ehe die legendäre Berliner Antiquitätenmesse 1995 die Segel streichen musste. Die „Ars Nobilis“, ihr kleiner, feiner Nachfolger im Geiste, feiert in diesem Jahr stolz seinen fünften Geburtstag; die Stimmung unter den mittlerweile 31 Ausstellern scheint stetig zu steigen.

Die Messe lebt von kollegialen Gesten: Olaf Lemke aus Berlin, einer der führenden Spezialhändler für historische Bilderrahmen, hat drei ebenbürtige Kollegen zur Gemeinschaftspräsentation zusammengebracht: Neben Thomas Knöll aus Basel, Paul Mitchell aus London und Jean Tournadre aus Paris. Das Vierergespann überblickt souverän die Welt der Leisten, vom frühen 16. bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts, Exkurse inklusive: Lemke zeigt beschriftete italienische und spanische Rahmen des 16. Jahrhunderts, Knöll erinnert daran, wie in Rom Gemälde der Päpste mittels Vorhang oder Schuber verhüllt werden konnten. Der Kunsthändler Konrad O. Bernheimer (München) konnte das mutmaßlich kostbarste der für die Ars Nobilis avisierten Altmeistergemälde, Jan Brueghels d.J. und Hendrick van Balens Gemeinschaftswerk „Maria mit dem Kind im Paradiesgarten", nicht nach Berlin schicken. Es wurde vor einer Woche verkauft. Seinen Platz nimmt nun Jean-François de Troys „Allegorie des Geschmackssinns“ von 1727 ein (Preis auf Anfrage). Albrecht Neuhaus (Würzburg) brilliert mit einem um 1660 entstandenen Galerie-Interieur David Teniers d.J. (900000 Euro). Der Flame malte – neben den Bildern im Bild, die sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien finden – sich selbst neben seinem Auftraggeber, Erzherzog Leopold Wilhelm. Ein paar Schritte weiter zeigt Neuse (Bremen) neben einer magischen kleinen Cranach-Tafel die „Ansicht des Forum Romanum vom Palazzo Caffarelli“ des von Friedrich Wilhelm III. hochgeschätzten Berliner Vedutenmalers Johann Wilhelm Brücke (95000 Euro). Doch Neuses Prunkstück ist zweifellos der monumentale Münzhumpen, den Christian Lieberkühn d.Ä. um 1715 für das Silberbuffet des Berliner Schlosses gefertigt hat (490000 Euro). Auch Helga Matzke, die Grünwalder Silberexpertin, hat Objekte mit preußischer Provenienz dabei. Die vergoldete Berliner Teekanne von 1825 ist mit 12 000 Euro vergleichsweise günstig angesetzt.

Das Profil der „Ars Nobilis“ profitiert von solchen Offerten mit Ortsbezug. Herausragende Berliner Möbel des Klassizismus finden sich bei Schmitz-Avila (Bad Breisig) und Frank C. Möller (Hamburg). Für die gemäßigte bildhauerische Moderne stehen figürliche Bronzen Hermann Blumenthals bei Wolfgang Werner. Und, Salonnièren aufgepasst: Wittenborn-Czubaszek brachte die historistische Saloneinrichtung eines Berliner Hotels mit (48000 Euro).Es sind diese Angebote jenseits des geschmacklichen Mittelfelds, die den Charme der „Ars Nobilis“ ausmachen, wie Architekturzeichnungen bei Ernst von Loesch oder Udo Arndts Auswahl sächsischer Rokoko-Öfen. Georg Laue weckt Neugier mit historischen Wissenschaftsinstrumenten: vom Kompass (ab 700 Euro) bis zum Nürnberger Himmelsglobus von 1675 (26000 Euro). Unerlässliches Gerät, wenn die Winde weiter günstig wehen sollen.

DIE MESSE

31 renommierte

Kunst- und

Antiquitätenhändler aus dem In- und Ausland bieten ihre Schätze zum Verkauf an.

DATEN

Die Messe läuft vom

5. bis 14. November im Automobil Forum Unter den Linden in Berlin.

Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag 11–20 Uhr,

Sonnabend und

Sonntag 10–18 Uhr.

Weitere Informationen im Internet unter

www.arsnobilis-kunstmesse.de

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