Zeitung Heute : Wenn einer eine Reise tut

Flora Wisdorff

Bei Opel standen die Bänder still, bei Lufthansa die Maschinen. Was hat der Bush- Besuch Unbeteiligte gekostet?

Für die Lufthansa war der Besuch des amerikanischen Präsidenten kein freudiges Ereignis. „Kurzfristige“ Sicherheitsmaßnahmen, spontan von den Behörden verordnet, hätten der Fluggesellschaft, die ihren Heimatflughafen in Frankfurt am Main hat, erhebliche Kosten verursacht, teilte die Lufthansa mit. 92 Flüge hätten gestrichen werden müssen, 330 hätten sich wegen des Besuchs von George W. Bush verspätet, sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow am Mittwoch. Insgesamt seien 5730 Passagiere von den Streichungen und Verspätungen betroffen gewesen, und es hätten sich 300 Stunden Verspätungszeit angehäuft.

Wie viel genau das die Lufthansa gekostet hat, rechnet sie derzeit noch aus. Aber Rücktritte von Flugreisen und der personelle sowie technische Aufwand für das Umbuchen hätten erhebliche Kosten verursacht, sagte Jachnow. Denn die Fluggesellschaft sei kulant gewesen und habe auch Passagieren mit nicht umbuchbaren Tickets die Chance gegeben, die Flugreise kostenlos auf einen anderen Zeitpunkt zu verlegen. Die Lufthansa prüft nun, ob sie die verantwortlichen Sicherheitsbehörden – auf deutscher wie auf amerikanischer Seite – auf Schadenersatz verklagt.

Die Zahl der Flugzeuge, die pro Stunde landen und starten darf, sei auf 25 gesenkt worden, das sei nicht nachvollziehbar. Zudem habe die Deutsche Flugsicherung überraschend mitgeteilt, dass der Flughafen zur Ankunft von Bush eine Stunde gesperrt werden müsse – geplant waren 15 bis 20 Minuten. Am Wetter habe dies bestimmt nicht gelegen, sagt Jachnow: „Es hat in Frankfurt gestern nicht geschneit“.

Das andere große Unternehmen in der Region, Opel in Rüsselsheim, hatte keine Probleme mit dem Besuch. Es wurden zwar am Dienstag keine Autos gebaut. Aber die beiden Schichten werden an diesem und dem kommenden Sonnabend nachgeholt. „Wir haben keine Zusatzkosten, denn die Schichten können innerhalb des Tarifvertrages nachgeholt werden“, sagte eine Sprecherin. Die Wirtschaft in Mainz ist sonst vom Mittelstand geprägt – bei der Industrie- und Handelskammer vor Ort will man sich auf eine Schätzung der Kosten des Bush-Besuchs nicht einlassen – das sei „unseriös“.

Die Stadt Mainz dagegen hat klare Vorstellungen von ihren Ausgaben: Um die 100000 Euro habe sie der Aufwand für den Staatsbesuchs gekostet, sagt Sprecher Markus Biagioni. Die Summe sei zum Beispiel durch den Einnahmeausfall in den geschlossenen Parkhäusern, das Versiegeln von Gullis, das Reparieren des Schlosses oder das Aufstellen von Halteverbotsschildern oder Absperrgittern entstanden. Zumindest teilweise möchte die Stadt das Geld jetzt vom „Veranstalter“, also dem Bund, zurückbekommen.

Andererseits habe die Stadt Mainz aber auch erheblich von dem Besuch profitiert „Das sind Werbeeffekte in Milliardenhöhe“, sagt Biagioni. Schließlich sei die Stadt in der ganzen Welt positiv dargestellt worden, vor allem in den USA. Das werde viele neue Touristen nach Mainz bringen.

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