Zeitung Heute : Wenn es ihnen gefällt

Bernd Hops

Der Konsumklimaindex für den Monat März zeigt: Die Verbraucher sind nicht in Kaufstimmung. Was führt dazu, dass der Verbraucher so wichtig für die gesamtwirtschaftliche Situation geworden ist?

Wirtschaft ist kein Selbstzweck. Alles, was produziert wird, braucht einen Abnehmer. Der größte Käufer von Waren und Dienstleistungen in Deutschland ist der private Verbraucher. Hinter diesem unscheinbaren Begriff stehen hier zu Lande mehr als 80 Millionen Menschen, die jeden Tag Geld ausgeben. 60 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung hängen von der Konsumfreude der hier lebenden Menschen ab, in den USA liegt der entsprechende Wert bei etwa zwei Dritteln. Der Rest des Bruttoinlandsprodukts entsteht durch die Nachfrage des Staates – durch öffentliche Dienstleistungen und Investitionen – sowie durch den Export, das heißt durch die Nachfrage von Konsumenten jenseits der Grenze.

Damit ein Aufschwung kommt, muss die Nachfrage nach den im Lande produzierten Waren anziehen. Übersteigt der Nachfragezuwachs die Produktionskapazitäten, steigt zum einen zwar der Import, zum anderen aber auch der Anreiz für inländische Unternehmen, in neue Maschinen oder Geschäfte zu investieren. Das bedeutet zusätzliche Jobs und zusätzliches Geld, das ausgegeben werden kann. Mehr Nachfrage generiert wiederum höhere Investitionen. Ein selbsttragender Aufschwung entsteht.

In Deutschland bleibt dieser bisher aus, die Wachstumsraten sind mau. Der Grund: Nur ein Bereich der Nachfrage wächst, nämlich der Export. Gleichzeitig schrumpft aber die öffentliche Nachfrage, weil der Staat hoch verschuldet ist. Außerdem bleiben Steuereinnahmen aus, weil die Wirtschaft stagniert. Das führt zu weiteren Sparzwängen – und verunsichert die Verbraucher. Sie halten im Schnitt immer mehr ihres Einkommens zurück und legen es lieber auf die hohe Kante. Da diese Menschen aber für den überwiegenden Teil der Wirtschaftsleistung stehen, hält dieses Verhalten das Wachstum zurück.

Ganz anders war die Situation in den angelsächsischen Ländern. Die verdanken einen Großteil ihres Wachstums der vergangenen Jahre der Ausgabenfreude der privaten Konsumenten – mit ein Grund für die deutschen Exporterfolge. Noch extremer als die deutschen Verbraucher verhielten sich in den vergangenen Jahren nur die japanischen. Selbst Zinsen, die fast bei null Prozent lagen, lockten sie nicht aus der Reserve, so dass ernsthaft darüber diskutiert wurde, negative Zinsen einzuführen.

Wirtschaft, Seite 18

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