Zeitung Heute : Wenn es nicht mehr dieselt

Die BVG kooperiert mit Gas- und Stromversorgern und stellt Busse auf umweltfreundliche Antriebssysteme um

Yasmin El–Sharif

Berlin im Sommer 2006: Fußgänger stehen am Straßenrand während ein großer Stadtbus vorbeirauscht. Wer jetzt eine Wolke aus Dieselgestank und Ruß erwartet, die das Fahrzeug hinter sich lässt, liegt falsch. Denn der Bus fährt mit Wasserstoff.

Das ist keine Vision mehr, sondern inzwischen Realität. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) rüsten um - weg von klimaschädlichen Dieselmotoren, hin zu umweltfreundlichen Modellen, die nur Wasserdampf ausstoßen. „Der Einsatz von mit Wasserstoff betriebenen Bussen wird jetzt erst einmal in einer Probephase auf die Praxistauglichkeit getestet“, sagt Burkhard Eberwein, Projektleiter Wasserstoff bei der BVG. Bei der Fußball-WM werden die ersten beiden Busse dieser Art eingesetzt - werbewirksam als FIFA-Shuttle-Fahrzeuge. Bis 2009 sollen die anderen der insgesamt 14 beim Fahrzeughersteller MAN georderten Busse den Betrieb aufnehmen.

Die Aktion wird von der EU-Kommission gefördert. Damit macht sie das Projekt erst möglich, sagt Eberwein. „Noch ist Wasserstoff als Treibstoff nicht wirtschaftlich genug, als das sich das für uns rentieren würde.“ Aber nur solche Pilotprojekte würden zeigen, wo die neuen Techniken noch verbessert werden müssen.

Auch andere Firmen sind an dem Projekt beteiligt: Der Mineralölkonzern Total hat in der Nähe des BVG-Betriebshofs in Berlin–Spandau eine Wasserstofftankstelle neu errichtet. Vattenfall Europe steuert stationäre Brennstoffzellen zur Strom- und Wärmeversorgung bei. Für den Versorger passt die Investition zur Strategie, umweltfreundliche Energien kontinuierlich auszubauen. Der Wasserstoffantrieb signalisiere „die künftige Bedeutung der erneuerbaren Energien gerade auch für den Bereich der Mobilität“.

Die BVG setzt nicht nur auf Wasserstoff. Auch Busse mit Erdgastanks sollen ab Juni getestet werden. „Wir haben fünf solcher Fahrzeuge bestellt. Diese können wir dann unmittelbar mit den Wasserstoffbussen vergleichen,“ sagt Eberwein. Dabei werden Kosten gleichgesetzt und es wird geprüft, wie lange einzelne Tankfüllungen reichen. Der Berliner Gasversorger Gasag, der das komprimierte Gas zum Tanken liefert, baut der BVG dafür eigene Zapfsäulen.

Aber auch Erdgas ist ein begrenzter Rohstoff, betont Otto Berthold von der Gasag. „Die Zukunft führt über Erdgas schließlich zum Wasserstoff.“ BVG-Mann Eberwein stimmt dem zu, langfristig müsse man sich „von fossilen Energieträgern unabhängig machen“. Durch die steigenden Dieselpreise wird Wasserstoff immer wettbewerbsfähiger. „Es könnte sein, dass die Modelle schon 2009 bei Abschluss des Projekts serienreif und wirtschaftlich sind“, sagt Eberwein.

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