Zeitung Heute : Wenn High Tech zum alten Eisen wird

PERTA ALBERS

Bunte Bildschirm-Präsentationen, Mini-Rechner und Vielfarbdrucker - die Stände auf der Cebit sind vollgepfropft mit den neuesten Geräten.Auf der weltgrößten Computermesse in Hannover versuchen die Firmen alljährlich, sich gegenseitig zu übertreffen.Denn was gestern noch topaktuell war, ist in der schnellebigsten Branche der Welt heute schon nicht mehr gefragt."Spätestens nach sechs Jahren sind auch die modernsten Computer veraltet", sagt Bernhard Rohleder, Geschäftsführer des Fachverbands Informationstechnik im ZVEI.In diesem Jahr werden nach Schätzungen des Verbands in Deutschland rund 2,8 Millionen PC, 1,7 Millionen Bildschirme und 1,9 Millionen Drucker ausrangiert.

Doch wohin mit dem nicht besonders umweltfreundlichen Elektronikschrott? Gesetzlich geregelt ist die Rücknahme von IT- Geräten nicht.Während die meisten großen Herstellerfirmen diesen Service anbieten, wollen viele kleinere Firmen mit dem Elektroschrott nichts zu tun haben.Nach Angaben des Bundesumweltministeriums wird ein Entwurf zur Altgeräteverordnung derzeit im Bundesrat diskutiert.Wann eine Entscheidung fällt, sei aber offen.

Bei der Siemens AG landen Altgeräte im Paderborner Recyclingwerk.Rund 5000 Tonnen waren es im vergangenen Jahr."Wenn möglich, reparieren wir die Computer und verkaufen sie zu günstigen Preisen an Heime oder Schulen", erläutert Siemens-Sprecher Peter Gottal.Völlig unbrauchbare Geräte werden zerlegt und die einzelnen Bestandteile wiederverwertet oder als Sondermüll entsorgt.

"Jedes dritte unserer Produkte gelangt auf diese Weise in den Kreislauf zurück", sagt Peter Burgdorf, bei Siemens Leiter für Wiedervermarktung und Recycling.Kostenlos ist die Rücknahme für die Kunden allerdings nicht: "Das geht von 20 Mark für einen Monitor bis zu 600 Mark für einen Geldautomaten." Fast ausschließlich Großkunden gäben ihre Altgeräte ab."Von Privatleuten ist der Rücklauf gleich Null."

Ähnliche Erfahrungen hat die Compaq Computer GmbH gemacht."Wir kriegen unsere Produkte nicht in der Menge, die wir gerne hätten, zurück", sagt Ulf Doerner, Koordinator der Umweltprogramme."Mit den Direktkunden läuft das reibungslos, aber privat wandern die Geräte in irgendwelche undurchschaubaren Kanäle weiter." Am Ende würden die meisten Rechner auf dem Speicher oder im Keller gehortet.

Höchstens fünf Prozent aller ausgedienten Compaq-Computer landen bei Entsorgungsbetrieben, mit denen das Unternehmen zusammenarbeitet."Das ist sehr enttäuschend." Denn aus Sicht des Unternehmens besteht großes Interesse an der Rücknahme der Altgeräte.Doerner: "Jeder zurückgegebene Computer schafft Platz für einen neuen."

Auf vehementen Widerspruch bei der Industrie stößt der Entwurf einer Elektroschrott-Richtlinie der Europäischen Union.Demnach sollen die Hersteller auch das Einsammeln der Altgeräte übernehmen.Zudem sollten die Entsorgungskosten der Geräte, die bereits vor Inkrafttreten der neuen Richtlinie im Markt waren, auf den Verkaufspreis neuer Geräte aufgeschlagen werden.Dadurch drohen nach Angaben des ZVEI Preissteigerungen um bis zu 15 Prozent."Dann fallen wir im internationalen Markt noch weiter zurück", sagte Rohleder.

Die Unternehmen der IT-Branche kämpfen dagegen für die Umsetzung des sogenannten Cycle-Modells, das eine Arbeitsgruppe unter Federführung des ZVEI erstellt hat.Die Industrie erklärt sich dabei bereit, alle Entsorgungskosten außer der Sammlung zu übernehmen.Dieses Konzept könne sofort eingeführt werden, sagt Rohleder: "Wir warten nur noch auf den Startschuß des Gesetzgebers."

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben