Zeitung Heute : Wenn nur die Spiele nicht wären Marcel Reif blickt täglich

auf die Begegnungen voraus

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Irgendwie blöd, dass die Weltmeisterschaft erst noch gespielt werden muss, nicht wahr. Wenn man sich brasilianische Kommentare anhört, kann man zumindest glauben, dass die Spiele nur eine lästige Pflicht sind, weil Brasilien Weltmeister ist und ist und ist. Was sagte Brasiliens Staatschef da Silva: Niemand im Land würde ein Scheitern akzeptieren. Eben.

Aber es ist ja auch so: Sie haben klar die besten Spieler, die Brasilianer, wo ist die Schwachstelle? Dass sie sich an der Selbstverständlichkeit verschlucken? Nun ja, ob die Gefahr wirklich groß ist? Vielleicht geht es so: Trainer Parreira hat zu den ersten Spielen gesagt, dass Deutschland ihn am stärksten überzeugt habe. Könnte ja sein, dass Parreira etwas den Überblick verliert.

Nein, ernsthaft, Schwachstellen kennt der brasilianische Fußball nicht wirklich. Er hat eine Ikone mitzuschleppen, eine Ikone, von der man noch nicht weiß, ob sie noch lebt oder nur noch Heiligenbild ist: Ronaldo. Vielleicht ist er nicht in Form, vielleicht ist er etwas dicklich, vielleicht tanzt er durch die Nächte. Aber deswegen wird Parreira ihn nicht auf der Bank lassen heute gegen Kroatien. Ronaldo ist Staatsthema, Ronaldo ist sakrosankt, der kann sich nur selber demontieren. Mag sein, dass Parreira genau darauf hofft in der Vorrunde.

Und dann? Würde sich dann Schwäche einschleichen ins brasilianische Team? Ach was, dann kommt halt der Nächste, dann kommt eben Robinho oder Fred. Und dann tanzen die halt die Samba. Schwachstellen? Ich finde keine. Und Gegner? Bei einem normalen, durch keine Überheblichkeit getrübten brasilianischen Zustand kann ich mir nur Argentinien als Konkurrenten vorstellen. Es ist aber, und das ist am Ende tröstlich für alle anderen, es ist auch für Brasilien so: Erst einmal muss gespielt werden. Dann erst gibt es die Selbstverständlichkeit.

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