Zeitung Heute : Wenn zwei sich streiten

Unverheiratete Väter können beim Familiengericht die Mitsorge für ihr Kind beantragen – notfalls gegen den Willen der Mutter.

Hin und hergerissen. Im Streit um das Sorgerecht sollten Eltern das Wohl ihres Kindes nie aus den Augen verlieren.
Hin und hergerissen. Im Streit um das Sorgerecht sollten Eltern das Wohl ihres Kindes nie aus den Augen verlieren.Foto: drx Fotolia

Immer wieder röchelt der Kleine, schüttelt sich, kann kaum schlafen. Der Husten will einfach nicht aufhören. Ist der Grund dafür eine Erkältung oder doch etwas anderes? Der Vater schlägt der Mutter vor, einen Lungenspezialisten aufzusuchen. Diese winkt ab. Eigenmächtig kann der Vater allerdings keinen Arzttermin für seinen Sohn vereinbaren – dazu fehlt ihm das Sorgerecht.

Die Berliner Fachanwältin für Familienrecht Eva Becker kennt etliche solcher Fälle. „Unverheiratete Väter waren bisher in einer misslichen Lage“, sagt die Juristin. „Dabei wollen sie längst nicht mehr nur als Babysitter einspringen, sondern bei allen Fragen, die das Kind betreffen, mitentscheiden.“ Seit Mai gibt es nun ein Gesetz, das es unverheirateten Vätern möglich macht, das volle Sorgerecht für ihre Kinder auszuüben – notfalls gegen den Willen der Mutter.

Der neuen Regelung zufolge hat zwar mit der Geburt des Kindes zunächst die Mutter das alleinige Sorgerecht, der Vater kann aber beim Familiengericht die Mitsorge beantragen. Dauer und Kosten eines solchen Verfahrens variieren, je nachdem wie schnell sich die getrennten Eltern einigen können; in der Regel sind es bis zu sechs Monate.

Der Gesetzgeber reagierte mit dem neuen Recht auf verschiedene Urteile des Bundesverfassungsgerichts und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Die Richter hatten dabei vor allem die Begünstigung der Mütter gegenüber den Vätern beanstandet. Auf ein solches Gesetz haben viele Väter gewartet, vermutet Anwältin Becker. An welchem Ort soll das Kind leben, welche Schule besuchen? Darf es von der Nachbarin aus dem Hort abgeholt werden? Auch wenn die Beziehung vorbei ist, wollen Väter in Erziehungsfragen mitentscheiden. Das war bisher nicht so leicht.

Becker mahnt jedoch an, das Wohl des Kindes niemals aus den Augen zu verlieren. „Ein Rosenkrieg belastet sowohl das Kind als auch die Eltern“, sagt die Rechtsexpertin. Lässt sich der Sorgerechtsstreit nicht beilegen, rät sie dazu, sich schnell Hilfe bei Beratungsstellen zu holen. Der Blick von außen kann dazu beitragen, den Streit ums Kind schneller zu lösen. Tanja Tricarico

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