Zeitung Heute : Wenn’s kalt wird, hilft die Hotline

Fällt in einer Wohnung die Heizung komplett aus, dürfen Mieter nur in Ausnahmefällen selbst den Monteur rufen

Katrin Dittert
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Immer schön cool bleiben. Es muss schon eisig in der Wohnung sein, damit ein Mieter ohne vorherige „Abmahnung“ des Vermieters...3L

An das Frieren unterwegs hat man sich bei den anhaltend eisigen Temperaturen inzwischen wohl fast schon gewöhnt. Was aber, wenn die Heizung in den Wohnräumen oder am Arbeitsplatz nicht ausreichend wärmt oder gar völlig ausfällt?

„Als ich am Montag früh ins Büro kam, traute ich mich nicht, meinen Mantel auszuziehen, die Heizung war am Wochenende total ausgefallen“, erzählt eine Mieterin aus einem der Geschäftshäuser am Kurfürstendamm. „Nach vielen leidigen Telefonaten wurden uns dann wenigstens zwei Tage später elektrische Heizkörper aufgestellt. Zu spät für zwei meiner Angestellten, die sind jetzt krank“, so die Mieterin weiter. Glücklicherweise ist der Komplettausfall von Heizungen nicht die Regel.

„Die Anzahl von Meldungen über komplette Heizungsausfälle ist in den letzten Jahren rückläufig, da die technische Ausstattung der Heizungsanlagen immer besser wird“, sagt Klaus Rinkenburger, Geschäftsführer der Innung für Sanitär, Heizung, Klima (SHK Berlin). „Auffällig aber ist die Zunahme von Beschwerden über eine nicht ausreichende Beheizung der Wohnräume, wo tagsüber weit weniger als 20 Grad Celsius erreicht werden. Gerade auch Wohnungen mit einer energetisch schlechten Lage im Haus – das sind die Wohnungen mit vielen Außenwänden oder über Toreinfahrten sowie Dach- und Erdgeschosswohnungen – sind hiervon besonders betroffen“, sagt Reiner Wild, Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins. Grundsätzlich muss die Heizungseinstellung am Tage die Temperatur von mindestens 20 Grad Celsius sicherstellen. Wird diese Temperatur nicht erreicht, liegt ein Mangel der Mietsache vor. Dies gilt für die gemietete Wohnung genauso wie für die Büro- oder Praxisräume. Dort schreibt schon die Arbeitsstättenverordnung vor, dass „gesundheitlich zuträgliche Raumtemperaturen bestehen“ müssen (Ziffer 3.5 des Anhangs zur Arbeitsstättenverordnung). „Wenn ich nach meinem Studium abends nach Hause komme, reagiert meine Heizung ab 19 Uhr gar nicht mehr. Ich muss immer mit Decke lesen oder fernsehen. Die Hausverwaltung sagt, dass sei eine übliche Nachtabsenkung“, so Mieterin Eszter aus Kreuzberg. Bereits im Jahre 1998 hat das Landgericht Berlin (Urteil vom 26.5.1998, 64 S 266/97) festgelegt, dass von 6 bis 23 Uhr in Wohnräumen 20 Grad Celsius, zur gleichen Zeit in Bad und Toilette 21 Grad Celsius herrschen müssen. Von 23 Uhr bis 6 Uhr morgens muss es überall immerhin noch 18 Grad Celsius warm sein. Werden diese Temperaturen nicht erreicht, liegt ein Mangel vor und die Miete kann gemindert werden. Welcher Minderungsbetrag hierbei angesetzt werden darf, ist von den jeweils erreichbaren Temperaturen und der Dauer des Ausfalls abhängig. Reagiert die Hausverwaltung auf den angezeigten Mangel nicht, kann sogar fristlos gekündigt werden. Zunächst muss ein Mieter allerdings seinem Vermieter den Mangel der ausgefallenen Heizung mitteilen und ihm eine Frist setzen, innerhalb derer die Heizung wieder vollständig funktionieren soll. Der Vermieter muss schließlich wissen, dass es ein Problem gibt. Ihm muss die Möglichkeit gegeben werden, die Reparatur der Heizung zu beauftragen. Ärgerlich ist es natürlich, wenn es zum Wochenende in der Wohnung kalt wird und keiner erreichbar ist, da die Sprechzeiten der Hausverwaltung auf die Zeit von Montag bis Donnerstag in die Vormittagsstunden verlegt wurde. „Wir stellen den Mietern für Mängelmeldungen eine 24-Stunden-Hotline zur Verfügung. Unser externes Callcenter erteilt dann zu jeder Tages- und Nachtzeit notwendige Reparaturaufträge an unsere entsprechenden Vertragsfirmen. Generell werden Mieter auch durch Aushänge in den Häusern darüber informiert, wie in Schadens- oder Notfällen vorzugehen ist“, so Pressesprecherin Kirsten Huthmann von der Gesobau AG. Einen solchen Service bietet leider nicht jeder Vermieter. Was also ist zu tun, wenn niemand zu erreichen ist? Auf keinen Fall sollte der Mieter sofort selbst einen Handwerker beauftragen. Denn wer bestellt, zahlt auch die Zeche.

Es gibt nur wenige Ausnahmefälle, in denen ein Mieter gleich handeln darf: Nur wenn er dem Vermieter die defekte Heizung auch gemeldet und ihn vergeblich zur Reparatur der Heizung aufgefordert hat, kann der Mieter selbst eine Fachfirma beauftragen. Zwar muss er den Handwerker zunächst bezahlen, denn er vergibt schließlich den Auftrag, allerdings kann er vom Vermieter die Kostenerstattung verlangen. Gleiches gilt, wenn eine umgehende Reparatur dringend erforderlich ist, weil sonst die Gesundheit gefährdet ist oder die Wohnung beschädigt werden könnte, wie beispielsweise bei einem Wasserrohrbruch, der Vermieter jedoch nicht zu erreichen ist. Im Notfall also kann selbst gehandelt werden, es muss sich aber auch wirklich um einen Notfall handeln.

Bei erheblichen Minusgraden Außentemperatur, wie wir es derzeit erleben, kann allerdings tatsächlich von einem Notfall gesprochen werden. Grundsätzlich ist jedoch anzuraten, zunächst zu versuchen, den Vermieter zu erreichen. Vorbeugend ist jedem Mieter zu empfehlen, sich für den Fall des Falles von der Hausverwaltung eine Notfallrufnummer, zum Beispiel die des Hausmeisters, geben zu lassen. Sonst kann es schwierig werden, die verauslagten Kosten zurückzuerhalten.

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