Zeitung Heute : Wer bezahlt die Hochzeit?

Elisabeth Binder

Immer wieder sonntags fragen Sie

Wir haben Tochter und Sohn im heiratsfähigen Alter. Gibt es gesellschaftliche Konventionen, welches Elternpaar die Kosten für eine Feier übernimmt?

Lange galt die eherne Regel, dass die Eltern der Braut nicht nur die Robe für den schönsten Tag des Lebens zahlen, sondern auch die Feier ausrichten. Wenn Sie dieses Problem also ganz klassisch angehen, sind Sie strategisch gut aufgestellt. Bei der Tochter dürfen Sie zahlen, aber dafür natürlich auch wesentlich mitbestimmen, wie die Fete aussieht, beim Sohn können Sie sich als Gast gemütlich zurücklehnen und alles mit kritischen Augen betrachten. Allerdings haben sich mittlerweile auch die Heiratssitten sehr gelockert. Die stetige Zunahme von Patchwork-Familien und die wachsende Zahl von Ehen pro Person mögen dazu beigetragen haben. Es gilt inzwischen als durchaus akzeptabel, dass man sich die Kosten teilt, dass also sowohl die Eltern der Braut wie die des Bräutigams wie natürlich auch das künftige Ehepaar selbst einen Teil dazu beitragen. Es erschiene mir vernünftig, wenn man die Kosten so aufteilt, dass derjenige, der sie am leichtesten wegstecken kann, auch den Löwenanteil übernimmt.

Leider ist die Welt nicht vernünftig, und bei sensiblen Anlässen wie Hochzeiten spielt sie unter dem Störfeuer von Stolz und Empfindlichkeiten aller Art manchmal regelrecht verrückt. Ideal fände ich es also, wenn die Brautleute sich überlegten, was die beste Lösung wäre, und das zunächst mal getrennt voneinander den jeweils eigenen Eltern erklären würden. Sobald übereinstimmende Linien erkennbar sind, könnte man eine Runde mit Drei-plus-drei-Gesprächen eröffnen. Warum soll, was in Politik und Diplomatie zum Erfolg führt, in Familien nicht auch funktionieren? Je behutsamer man am Anfang miteinander umgeht, desto erfreulicher wird sich wahrscheinlich das künftige Zusammenleben gestalten. Aber wer weiß, vielleicht haben Ihre Kinder und deren künftige Ehepartner ja ganz andere Vorstellungen von einer Hochzeitsfeier als Sie. Es wäre ein besonders schönes Hochzeitsgeschenk, wenn Sie die dann tolerieren könnten. Und vielleicht trotzdem einen Beitrag leisten.

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