Zeitung Heute : Wer falsch bezahlt, sitzt bald auf dem Trockenen

Am 1. Februar müssen Unternehmen und Vereine ihren Zahlungsverkehr auf Sepa umstellen – sonst drohen finanzielle Engpässe.

Ware nur gegen Geld. Mit Sepa werden künftig nur Zahlungen abgewickelt, bei denen statt der gewohnten Kontonummer und Bankleitzahl die IBAN des Geschäftspartners genannt wird. Um Lastschriften einzuziehen, brauchen Firmen zudem ein Sepa-Mandat. Foto: Imago/Caro
Ware nur gegen Geld. Mit Sepa werden künftig nur Zahlungen abgewickelt, bei denen statt der gewohnten Kontonummer und Bankleitzahl...Foto: imago stock&people

Es sind noch knapp 60 Tage bis zur Umstellung von den verschiedenen nationalen Zahlverfahren auf das Sepa-System. Ab dem 1. Februar gelten im Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (Single Euro Payments Area, Sepa), bestehend aus den 28 EU-Staaten, Island, Liechtenstein und Norwegen sowie der Schweiz und Monaco, neue Regeln für Überweisungen und Lastschriftverfahren. Für deutsche Bankkunden bedeutet das, dass sie sich eine 22-stellige Nummer, die IBAN, merken müssen, die aus dem Länderkürzel DE für Deutschland, einer zweistelligen Prüfziffer und ihrer bisherigen Bankleitzahl und der zehnstelligen Kontonummer besteht. Allerdings sind die IBAN länderspezifisch, in Frankreich sind sie beispielsweise wesentlich länger als in Deutschland.

Unternehmen und Vereine müssen zusätzlich ihre Abläufe auf den Sepa-Zahlungsverkehr umstellen. Dazu gehört die Beantragung einer Gläubiger-ID bei der Bundesbank, um weiterhin Lastschriften einziehen zu können – und das künftig auch von ausländischen Konten. Außerdem müssen sie ihren Kunden mindestens 14 Tage vorher schriftlich mitteilen, an welchem Tag sie welchen Betrag mit welcher Gläubiger-ID und mit welcher Mandatsreferenznummer einziehen. Wobei das nur einmal erfolgen muss, wenn immer der gleiche Betrag eingezogen wird. „Ohne ein entsprechendes Sepa-Mandat und dieses sogenannte Prenotificationverfahren dürfte es schwer sein, ab dem 1. Februar Lastschriften einzuziehen“, erklärt Oliver Weiland, Projektleiter Sepa bei der IBB. Viele Unternehmen haben bereits eine stille Umstellung auf Sepa vorgenommen und ihre Kunden entsprechend informiert. „Aber sobald sich der Abbuchungsbetrag ändert, etwa bei Mobilfunkrechnungen oder nach Anpassungen von Versicherungsbeiträgen, muss der Kunde erneut rechtzeitig über die anstehende Abbuchung informiert werden.“ Dieser bürokratische Aufwand muss künftig von Unternehmen in ihre Abläufe eingeplant werden. „Man benötigt eine funktionierende Mandatsverwaltung und ein entsprechendes Prenotificationsverfahren“, so Weiland.

Mit dem einheitlichen Zahlungsraum will die EU Verbrauchern und Unternehmen den bargeldlosen Zahlungsverkehr innerhalb Europas erleichtern. Überweisungen sollen schneller gehen und Lastschriften über nationale Grenzen hinweg möglich sein. Außerdem darf mit der Sepa- Einführung eine grenzüberschreitende Überweisung nicht mehr kosten als eine nationale. Unternehmen haben den Vorteil, dass sie ihren gesamten Zahlungsverkehr über ein Konto abwickeln können, ohne höhere Kosten einzuplanen. Zudem bieten die neuen Sepa-Lastschriftverfahren Firmen und Dienstleistern die Möglichkeit, ihre Angebote zu erweitern und auch neue Märkte zu erschließen. Das gilt etwa für den innereuropäischen E-Commerce, wie manche Experten meinen.

Was der Europäischen Zentralbank Kopfschmerzen bereitet, ist die Tatsache, dass weniger als ein Drittel der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland auf Sepa umgestellt haben. Das ergab eine Umfrage der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Bielefeld im Auftrag der Commerzbank, die im Oktober unter 5 000 mittelständischen Unternehmen durchgeführt wurde. Demnach hatten 70 Tage vor der Sepa-Umstellung nur 24 Prozent der Mittelständler ihre Vorbereitungen abgeschlossen. Immerhin 73 Prozent der Befragten hatten mit den Umsetzungsmaßnahmen begonnen und gehen davon aus, rechtzeitig fertig zu werden. Dabei nutzen 25 Prozent die Konvertierungslösungen, die ihnen ihre Hausbank anbietet. Keines der befragten Unternehmen hat einen Notfallplan, falls die Umstellung nicht rechtzeitig gelingt.

Außerdem hat die Umfrage ergeben, dass 67 Prozent der Unternehmen die Vorteile des Sepa-Systems nicht erkennen. „Es ist bedenklich, dass dem exportstarken deutschen Mittelstand die zahlreichen Vorteile durch Sepa noch immer nicht bewusst sind“, so Volker Wittberg, verantwortlicher Leiter der Umfrage. Vor allem kleine Firmen scheuen den bürokratischen Aufwand, bei ihren Kunden neue Mandate für das Sepa-Lastschriftverfahren einzuholen beziehungsweise ihre Prozesse auf das Prenotificationverfahren umzustellen und eine Mandatsverwaltung einzurichten. „Was einem bleibt, ist die Umstellung auf Überweisungen“, so Oliver Weiland. Allerdings berge das die Gefahr, dass Zahlungen unregelmäßig eingehen oder angemahnt werden müssen.

„Ich kann für mich noch keinen Vorteil im Sepa-System sehen“, sagt Goldschmiedin Eva Niemand. „Die meisten meiner Kunden zahlen entweder per Überweisung oder Kreditkarte. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass Kunden aus dem europäischen Ausland künftig mehr direkt über das Internet bei mir in Auftrag geben, weil die Kosten für innereuropäische Überweisungen nicht mehr so hoch sind.“ Ähnlich schätzt auch Fotograf Urs Kuckertz das Sepa-System ein. „Unsere Kunden zahlen per Überweisung, auch aus dem Ausland. Wenn die erhöhten Gebühren wegfallen, ist das für beide Seiten von Vorteil. Aber ich bezweifele, ob wir deswegen mehr Aufträge aus Frankreich, England oder der Schweiz generieren.“ Trotzdem hat Eva Niemand eine Gläubiger-ID beantragt, denn Elektronische Lastschriften, bei denen Kunden mit der EC-Karte an der Kasse per Unterschrift eine Einzugsermächtigung erteilen, wird es weiterhin geben. Ab Februar 2016 wird an der Kasse dann ein Sepa-Lastschriftmandat erstellt.

„Unternehmen, die sich noch nicht mit der Sepa-Einführung befasst haben oder die sich nicht bewusst sind, dass es sich dabei um mehr handelt als die IBAN, sollten jetzt die Zeit nutzen“, rät Oliver Weiland. „Sonst könnte es am 1. Februar eine böse Überraschung geben.“

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