Zeitung Heute : Wer falsch spart, zahlt doppelt

Fachleute müssen rechtzeitig befragt werden

Heiko Schwarzburger

Ein Jahr nach ihrem Inkrafttreten zeigt die Energieeinsparverordnung (EnEV), welche Potenziale sie freizusetzen vermag: Mit rund dreißig Prozent weniger Energie als ein vergleichbarer Neubau vor 2002 kommt ein Gebäude aus, das nach EnEV-Standard errichtet wurde. Auf das gesamte Bauvolumen hoch gerechnet, verringert dies den Ausstoß an Kohlendioxid um rund zehn Millionen Tonnen im Jahr. Das entspricht einem Viertel des Minderungsziels für die Industrie und die privaten Haushalte.

Neubauten erfüllen heute den Standard des Sieben-Liter-Hauses. Mehr Energie dürfen sie für Heizung, Warmwasser und Lüftung nicht verwenden. Doch die größten Reserven liegen im Altbaubestand: Zwar sank sein Energiebedarf bundesweit seit 1978 um über sechzig Prozent. Aber Schätzungen gehen von einem weiteren Einsparpotenzial aus.

Heizkessel wechseln

Die EnEV schreibt deshalb vor, dass bis Ende 2006 alle Heizkessel, die vor dem 1. Oktober 1978 installiert wurden, gegen neue Niedrigtemperaturtechnik oder Brennwertkessel ausgetauscht werden müssen. Damit verbinden lässt sich zugleich die Überprüfung der Heizungsrohre und der Heizkörper. So müssen frei liegende Rohrleitungen, übrigens auch für Warmwasser, nachträglich umhüllt werden.

Bei vielen älteren Gebäuden ist das Dach eine regelrechte Energieschleuder: Allein die oberste Geschossdecke zu dämmen, bringt schon erhebliche Gewinne. Dies ist bei nicht zum Wohnraum ausgebauten Dächern nun Vorschrift, sie müssen an den Dachflächen isoliert werden. Bei größeren Ausbauten im Dach ist übrigens eine Baugenehmigung erforderlich.

„Ein sehr guter Energiestandard ist heute längst nicht mehr mit hohen Mehrkosten verbunden", wirbt Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energieagentur. Davon, dass sich durchdachte Energiesparmaßnahmen auszahlen, ist auch Jürgen Pöschk, Leiter des Berliner ImpulsE-Programms überzeugt. Er warnt sogar ausdrücklich davor, bei Umbauten an der falschen Stelle zu sparen: „Heizungen, Wärmedämmung, Fenster und Türen bleiben dann mindestens 15 Jahre und länger so bestehen. Angesichts steigender Energiepreise wäre es wirtschaftlich geradezu hoch riskant, nicht die effizienteste Technik zu verwenden“.

Mehrgleisig fahren

Die meiste Energie und damit Kosten spart, wer mehrgleisig fährt, also eine Dämmung einbaut und regenerative Quellen anzapft. Es empfiehlt sich dabei, schon vor der Sanierung einen Experten zu Rate zu ziehen. Denn die Tücke steckt oft im Detail: Ein Fachmann kann genau berechnen, ob durch die Dämmung des Daches und der Außenwände so viel Energie eingespart wird, dass die neue Heizungsanlage mit weniger Leistung auskommt.

Auch ist denkbar, die Heizung eines Einfamilienhauses während kühler Tage im Frühling oder im Spätsommer per Solarthermie abzudecken. Erst in der kalten Winterperiode wird die Heizung mit Öl oder Gas gezündet. Umfangreiche Sanierungen und Modernisierungen sollten in jedem Fall vom Fachmann beaufsichtigt werden, um teure Fehler zu vermeiden. So entstehen beispielsweise durch unsachgemäßen Einbau von neuen Fenstern oft die so genannten Wärmebrücken, etwa an Dübeln oder Metallzargen. Dort kann die kostbare Wärme ungehindert nach außen abfließen. Oder bei der Dämmung der Wände: Wenn sich dahinter Feuchtigkeit ausbreitet, fangen die Dämmstoffe an zu schimmeln, Holzteile faulen. Die Folge können erhebliche Bauschäden sein.

Dachausbau, die Dämmung von Wänden im Erdreich und die Modernisierung von denkmalgeschützten Gebäuden sind prinzipiell ein Fall für Fachleute. Wie beim Umbau am sinnvollsten vorzugehen ist, darüber informieren Informationsmaterialien und Veranstaltungen des Berliner ImpulsE-Programms, das im Auftrag der Senatsumweltverwaltung über die Möglichkeiten des Energiesparens informiert. Trotzdem sind selbst erfahrene Heimwerker schnell überfordert.

Eigentümer von Häusern und Wohnungen können spezielle Ingenieure konsultieren, die als Vor-Ort-Energieberater arbeiten. Sie ermitteln, welche Maßnahmen für ein Gebäude oder eine Wohnung sinnvoll und kostengünstig sind. Der Bund übernimmt einen erheblichen Teil der Beratungskosten. Solche Experten helfen auch bei der Finanzierung von geplanten Umbauten: So unterstützt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Energiesparmaßnahmen in Gebäuden mit zinsgünstigen Darlehen, etwa im Rahmen ihres „Kohlendioxid-Minderungsprogramms“ und des neuen „Kohlendioxid-Gebäudesanierungsprogramms“.

Mit dem „ERP-Umwelt- und Energiesparprogramm“ vergibt die KfW auch Darlehen für Investitionen in die betriebliche Energieeinsparung von kleinen und mittleren Unternehmen.

Überblick schaffen

Die EnEV führte zudem eine neue Dokumentationspflicht ein. Die so genannten Energiepässe sind bei allen Neubauten jetzt Pflicht. Sie erfassen den gesamten Energiebedarf für Heizung, Lüftung und Warmwasser. Das schafft einen Überblick über noch notwendige Arbeiten und dokumentiert den bisher investierten Wert.

Auf einen wichtigen Nebeneffekt der Vorschriften zur energieeffizienten Gebäudesanierung und zum Neubau weist Stephan Kohler hin: „Investitionen in Sanierungsmaßnahmen stärken auch die Binnennachfrage im Bausektor und sichern Arbeitsplätze in erheblichem Umfang. Vor allem mittelständische Unternehmen wie Handwerksbetriebe sind die Gewinner.“

Neue Impulse für die Bauwirtschaft verspricht auch das geplante Investitionsprogramm der Bundesregierung. Das bundesweite Wohnraummodernisierungsprogramm der KfW soll weitere Anreize für Investitionen in Modernisierung und Sanierung schaffen. Eigentümer von selbstgenutzten oder vermieteten Wohngebäuden können ab April 2003 Sanierungsarbeiten mit zinsgünstigen Krediten finanzieren. Für das Programm werden insgesamt acht Milliarden Euro bereitgestellt.

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