Zeitung Heute : Wer haftet im Club?

Ein Veranstalter von pauschalen Clubreisen muss die Eignung und Sicherheit der angebotenen Sporteinrichtungen prüfen. Kommt ein Kunde zu Schaden, kann ihn eine Haftung treffen, so ein Urteil des Bundesgerichtshofes. Im konkreten Fall ging es um einen Reitunfall in einem tunesischen Ferienclub.

Ein Familienvater hatte zu Weihnachten 1994 die Pauschalreise gebucht. Im Prospekt wurde auf umfangreiche Sportmöglichkeiten hingewiesen, die an Ort und Stelle gesondert gebucht und bezahlt werden mussten. Auch der Reitstall des Clubs wurde beschrieben. Der Familienvater nahm vor Ort an einem zweistündigen Reitausflug teil, den er gesondert bezahlte. Dabei scheute sein Pferd und der Mann erlitt einen Kniebruch, der noch in Tunesien operiert wurde. Bei notwendigen Nachoperationen in Deutschland starb der Mann im Sommer 1995 an einer Thrombose. Seine Kinder verklagten den Reiseveranstalter auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Sie scheiterten aber zunächst vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main, weil dieses eine Haftung für die gesondert zu buchenden Sporteinrichtungen verneinte. Der Bundesgerichtshof hob dieses Urteil nun auf und verwies den Fall an das Oberlandesgericht zurück.

Nicht nur Flug und Unterkunft, sondern auch die im Prospekt beschriebenen Sportmöglichkeiten seien Gegenstand des Reisevertrags gewesen, erklärten die Bundesrichter. Auch bei gesonderter Zahlung vor Ort habe der Veranstalter für die angebotenen Leistungen selbst einzustehen. Er habe auch die Pflicht, zumutbare Sicherungsvorkehrungen zu treffen und die Anbieter regelmäßig auf Zuverlässigkeit und Eignung zu kontrollieren, um Kunden vor Schäden zu bewahren. (Aktenzeichen: Bundesgerichtshof X ZR 122/97)

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