Zeitung Heute : Wer intelligent gießt, erntet mehr Früchte

Eine Sonde misst den Wasserbedarf von Pflanzen.

Foto: promo
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Auch Pflanzen können Stress haben. Sie bekommen ihn, wenn sie zu wenig gegossen werden, wenn der Regen ausbleibt. „Wasserstress“ heißt das im Fachjargon. Nicht nur Ackerfrüchte in Afrika sind davon betroffen. Auch unser Frühjahr war in diesem Jahr viel zu trocken.

Insofern kam die Erfindung, die Ulrich Zimmermann, Professor am Biozentrum der Universität Würzburg, gemacht hat, genau zur richtigen Zeit auf den Markt. Seine Firma ZIM Plant Technology GmbH, mit Sitz in Hennigsdorf, baut Sonden, die den Feuchtigkeitsgehalt in Pflanzen ermitteln. Dazu messen die etwa fingernagelgroßen, hochempfindlichen Chips den Wasserdruck in den Zellen – ähnlich wie Patienten den Blutdruck.

„Der Wasserdruck kann bei Pflanzen auf bis zu 7 Bar ansteigen“, erklärt Zimmer. „Das ist enorm, ein Autoreifen hat etwa 2 Bar.“ Sinkt der sogenannte Turgor, ist das ein Zeichen dafür, dass die Zellen nicht mehr prall gefüllt sind, dass Feuchtigkeit fehlt. Die Sonden werden mit Hilfe von Magneten jeweils an der Unter- und Oberseite auf dem Blatt fixiert, auch bei zarten Pflänzchen ist das möglich.

Die Messergebnisse werden über Kabel an einen etwa handygroßen Transmitter geleitet, der sie wiederum an eine Kontrollstation funkt. Dort werden die Daten gespeichert und ins Internet übertragen. Nun kann man sich überall auf der Welt einklinken und den Zustand der Pflanze überprüfen. „Ich sitze zum Beispiel gerade an meinem Laptop in Hennigsdorf und sehe mir die Daten einer Plantage in Australien an“, sagt Zimmermann. „In Echtzeit.“ Aber auch auf Brandenburgs Äckern, wohin er die Sonden ebenfalls verkauft hat, ist alles unter seiner Kontrolle. „Sehen wir auf dem Bildschirm, dass die Wasserversorgung nicht ausreicht, schicken wir dem Landwirt eine SMS, dass er den Hahn aufdrehen soll.“ In Zukunft möchte Zimmermanns kleines Team aber auch eine ferngesteuerte Bewässerungsanlage anbieten. Dann könnten die Hennigsdorfer sogar das Gießen übernehmen.

Die Sonde habe mehrere Vorteile, erläutert der Entwickler. Logisch: Wer die Bedürfnisse seiner Zöglinge kennt, erntet mehr – die Pflanzen tragen mehr Früchte. Zugleich spart der Landwirt Wasser, denn es wird nur gegossen, wenn das System Alarm schlägt. Auch beugen die Sonden die Versalzung der Böden vor. Denn überschüssiges Wasser verdunstet und hinterlässt gelöste Salze. Dank der Messungen wird sich eine große Datenbasis ansammeln, welche die Wissenschaft weiter auswerten kann: Welche Pflanze braucht auf welchem Boden wie viel Wasser?

Noch werden die Sonden vor allem in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt. „Für die Grundausstattung einer 20 bis 20 Hektar große Ackerfläche müssen Sie etwa 4500 Euro rechnen“, sagt Zimmermann. Sein Produkt kann unter freiem Himmel wie im Gewächshaus eingesetzt werden. Doch auch private Gartenbesitzer sollen die Technik nutzen können – am Strand von Mallorca können sie dann per Smartphone erkennen, ob es den Rosen zu Hause so gut geht wie ihnen im Urlaub. Anna Pataczek

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