Zeitung Heute : Wer ist Bill Gates?

Christoph Marschall Matthias B. Krause

GEBOREN

Bill Gates wird am 28. Oktober 1955 in Seattle geboren. Sein Vater war Rechtsanwalt, seine Mutter Lehrerin.

AUSBILDUNG

Schon in der Schule macht Gates Geschäfte: Mit seinem Freund Paul Allen entwickelt er ein System zur Messung von Verkehrsströmen und verkauft es für 20 000 Dollar. Sein Studium in Harvard bricht er 1975 ab, um sich der Firma Microsoft zu widmen, die er mit Allen gegründet hat. 1980 erhält Microsoft von IBM den Auftrag, ein Betriebssystem für den ersten IBMPC zu entwickeln. Gates kauft für 50 000 Dollar die Rechte an dem System. 1990 bringt er Windows 3.0 auf den Markt. Windows wird weltweit zu einem Standard für PCs. 2000 übergibt er den Chefposten bei Microsoft an Steve Ballmer. Bis 2008 will sich Gates ganz aus dem operativen Geschäft zurückziehen.

FAMILIE

Gates ist mit Melinda French verheiratet und Vater von drei Kindern.

WIE HAT ES BILL GATES GESCHAFFT, DER REICHSTE MANN DER WELT ZU WERDEN?

Seit Generationen dient der Mann nun schon den Studienabbrechern der Welt als gutes Beispiel. Und wenn Bill Gates sich jetzt aus dem Tagesgeschäft des Microsoft-Konzerns zurückzieht, bleibt seine Legende bestehen. Vom reichen Papa auf die Eliteschule Harvard geschickt, um nach dessen Vorbild Anwalt zu werden, hat der junge Gates vor allem Computer und schnelle Autos im Kopf. Mit seinen Freunden Steve Ballmer und Paul Allen spielt er viel lieber auf dem „Altair 8800“ herum, einem Urahnen des heutigen Personal Computers (PC), statt in die Vorlesungen zu gehen. Die Jungs hecken eine Computersprache für den Kasten voller Elektroteile aus – und Gates erkennt, wie sich damit Geld machen lässt. Statt, wie damals unter Computertüftlern noch üblich, frei ihr neu erworbenes Wissen auszutauschen, argumentiert er, Softwareentwicklung werde sich nur lohnen, wenn die Autoren ihre Programme urheberrechtlich schützen. Und statt jeden in den Quellcode, das Hirn eines jeden Programmes, hineingucken zu lassen, müsse der künftig Außenstehenden verborgen bleiben.

1975, Gates ist 20 Jahre alt, gründet er zusammen mit Allen Microsoft. Ein Jahr später bricht er sein Studium ab, um sich ganz der Computerei zu widmen. Der große Durchbruch gelingt der Firma 1980, als IBM beschließt, auf seinen gerade entwickelten PC das Betriebssystem MS-DOS von Microsoft vorzuinstallieren. Zwar steht das Programm heftig in der Kritik, weil es nicht sehr stabil läuft. Aber weil es damals an Konkurrenz fehlt, kann Microsoft seinen Vorsprung in dem rapide wachsenden PC-Geschäft stetig ausbauen. Außerdem sichert sich Gates das Recht, sein Programm auch für Computer anzubieten, die IBM nicht herstellt – und schafft so die Grundlage für die Beherrschung des PC-Marktes.

1986 geht Gates mit seiner Firma an die Börse, wo sie bei der Einführung Aktien im Wert von 61 Millionen Dollar verkauft. Der Kurs der Papiere legt von da an bis Anfang der 90er Jahre stetig zu. Die Einführung von Windows 3.0 im Jahre 1990 wird ein grandioser Erfolg, schon in den ersten beiden Jahren verkauft Microsoft zehn Millionen Kopien. Im vergangenen Jahr hat die Firma einen Umsatz von 42,64 Milliarden Dollar gemacht und 63 564 Angestellte in 102 Ländern beschäftigt.

Bill Gates, der Mann mit dem jungenhaften Gesicht und der großen Brille, ist stets das Herz der Firma geblieben. Er hat viele seiner Angestellten durch Aktienoptionen zu Millionären gemacht. Dennoch gilt Gates als aggressiver und ungeduldiger Chef. Wenn seine Mitarbeiter nicht die von ihm geforderten Ergebnisse liefern, müssen sie sich Sprüche anhören wie: „Warum bist du nicht zur Friedensarmee gegangen?“ Software-Ingenieure, die über Schwierigkeiten bei der Programmentwicklung klagen, macht er mit der Bemerkung nieder: „Willst du, dass ich das übers Wochenende fertig mache?“ Doch auch ein Genie wie Bill Gates, das so viele Entwicklungen richtig vorausgesehen hat, ist nicht unfehlbar. So hat Microsoft die Bedeutung des Internets unterschätzt und dann Jahre gebraucht, um sich von diesem Fehler zu erholen.

Immer wieder ist gegen Microsoft wegen Verstößen gegen das Monopolrecht geklagt worden. 1998 beginnt in den USA ein großer Prozess, der den Vorwurf der Monopolbildung untersucht, der Fall wird 2001 mit einem Vergleich beendet. Ein Jahr zuvor hatte ein US-Richter die Zerschlagung von Microsoft angeordnet, seine Entscheidung wird jedoch später aufgehoben. Zur gleichen Zeit beschließt Gates, sich von seinem Posten als Executive Director zurückzuziehen und seinem Freund Ballmer die Konzernführung zu überlassen.

WARUM ZIEHT ER SICH AUS DEM OPERATIVEN GESCHÄFT ZURÜCK?

Inzwischen hat Gates ein zweites Leben. Ein Leben, das genauso fasziniert wie der Aufstieg vom Computerklempner in der Garage zum Erfinder eines Weltkonzerns. Wenn der 50-Jährige heutzutage um die Welt reist und Schlagzeilen in der Schweiz oder in London macht, dann nicht mehr vornehmlich mit Nachrichten über Verkaufsrekorde, sondern mit seiner Arbeit für die „Bill & Melinda Gates Foundation“. Ob Aids oder Tuberkulose, die Stiftung gibt Milliarden Dollar für eine bessere Gesundheitsversorgung der Ärmsten aus.

Gates investiert in die Stiftung nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Er tritt mit Politikern wie UN-Generalsekretär Kofi Annan beim Live-8-Konzertmarathon in London auf oder mit dem britischen Premier Tony Blair beim Weltwirtschaftsforum in Davos. 2005 hat das „Time“-Magazin Melinda und Bill Gates gemeinsam mit dem U 2-Sänger Bono zu den „Menschen des Jahres“ gekürt. Und Queen Elizabeth II. schlug Gates im vergangenen Jahr zum Ritter. Er ist eben nicht nur der reichste Mann der Welt, sondern auch ihr großzügigster Wohltäter. Dabei rangiert er sogar vor dem Ölmagnaten John D. Rockefeller, der in den Jahren der Weltwirtschaftskrise die damals unglaubliche Summe von 450 Millionen Dollar in die Rockefeller-Stiftung investierte.

Gates hat seine Entscheidung, sich 2008 aus dem Konzern zurückzuziehen, um sich auf die Stiftungsarbeit zu konzentrieren, PR-mäßig gut vorbereitet. Schon lange habe ihn seine Frau Melinda zu diesem Schritt gedrängt, aber er habe sich nicht getraut, das Thema im Führungskreis anzusprechen – so menschelnd stellt Gates seinen Rückzug dar. Immer wieder habe er seiner Frau sagen müssen: „Nein, heute konnte ich es leider nicht ansprechen. Aber in der nächsten Sitzung ganz bestimmt!“ Und jetzt habe er endlich den Mut gefunden.

WAS HAT GATES’ WANDEL VOM UNTERNEHMER ZUM WOHLTÄTER BEWIRKT?

Natürlich kursieren Legenden, was den Anstoß dafür gegeben hat, dass Bill und Melinda einen Großteil ihres Riesenvermögens für wohltätige Zwecke spenden. So hat Bill Gates schon in den 90er Jahren durchblicken lassen, dass ihm seine Milliarden zur Last geworden sind. Dass ihn die Frage nicht mehr loslasse, warum er nicht etwas Sinnvolles mit seinem Vermögen bewirke. Vater William H. Gates vertraut der britischen „Sunday Times“ 1999 an, wie sehr sein Sohn darunter leide. Vielleicht machen ja tatsächlich ein Vermögen von 50 Milliarden Dollar, ein Haus, ausgestattet mit allen möglichen elektronischen Spielereien, für 125 Millionen Dollar, eine Sammlung von Da-VinciSchriften für 30 Millionen Dollar und eine Gutenbergbibel allein nicht glücklich.

Menschen jedenfalls, die Gates weniger wohl gesonnen sind, sehen eher die Imageprobleme, die der Microsoft-Gründer in den vergangenen Jahren hatte, als Anlass für seine Wohltätigkeit. Schließlich wurde Gates in Kartellverfahren nicht sein Reichtum vorgehalten, sondern es ging um die Frage, ob er den ehrlich verdient habe oder durch unlautere Praktiken. In solchen Momenten hat der Geschäftsmann und PR-Stratege Gates es schon immer verstanden, das Gutsein und das Gutscheinen nutzbringend zu verknüpfen. „Wem viel gegeben ist, von dem wird viel erwartet“, ist der Leitsatz der „Bill & Melinda Gates Foundation“. Die Stiftung verfügt über rund 30 Milliarden Dollar Vermögen und beschäftigt 263 Angestellte in Bildungs- und Gesundheitsprogrammen. Der Jahresetat von über drei Milliarden Dollar liegt über dem Staatsbudget armer Staaten wie Mali oder Haiti.

Wo so viel öffentlicher Glanz ist, gibt es auch Kritik und Neid. Die einen stellen Gates’ Hilfsbereitschaft in Frage: Mit seinem Drängen auf den Schutz geistigen Eigentums und teure Patentrechte mache Gates lebensnotwendige Medikamente erst so teuer, dass arme Menschen sich die nicht leisten können – und verhindere die Herstellung von Generika, also günstigeren Ersatzwirkstoffen. Die anderen bezweifeln zwar nicht seine gute Absicht, werfen Gates aber vor, er ignoriere die Lehren aus jahrzehntelanger Entwicklungshilfe und wiederhole in naiver „Hoppla, hier komm ich“-Manier all die Fehler, die arme und korrupte Staaten nur noch korrupter und noch abhängiger von ausländischer Hilfe gemacht haben.

WIE GEHT ES MIT MICROSOFT WEITER?

Gates’ Rückzug fällt in eine Zeit, in der Microsoft versucht, mit einem Strategiewechsel seine dominierende Marktposition zu verteidigen. In einem Vier-Fronten-Kampf muss sich der Konzern auf dem Spielemarkt gegen Sony wehren, auf dem Internetmarkt gegen Yahoo und Google, im Bereich der Business-Software gegen Oracle und SAP und mit seinem Betriebssystem für Server gegen Linux. Allerdings glauben Branchenbeobachter nicht, dass sich für den Konzern viel ändern wird, wenn Gates nicht mehr im operativen Geschäft mitmischt. „Gates mag die Verantwortung für das Tagesgeschäft abgeben, er wird sich aber niemals ganz von Microsoft zurückziehen“, sagt Anthony Sabino, Wirtschaftswissenschaftler an der St. Johns Universität.

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