Zeitung Heute : Wer ist das?

Wie Biometrie Sprache erkennt

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Eigentlich hat jeder Mensch seine individuelle Aussprache. Wenn er spricht, strömt Luft über die Stimmbänder und lässt sie schwingen. Die Laute werden von Kehlkopf, Zunge, Mund und Lippen geformt, Höhlen im Schädel – Stirn und Kieferhöhlen – bilden Resonanzräume, die weitere Einflüsse auf das Klangbild ausüben. Es entsteht ein charakteristisches Muster an Schallwellen. Aber der Klang ändert sich schon bei Schnupfen oder Heiserkeit erheblich. Zudem spricht niemand in einem schalltoten Raum, es kommen Verzerrungen etwa durch Hall sowie Hintergrundgeräusche hinzu.

Dennoch versucht die Biometrie, die Spracherkennung voranzutreiben, weil sich damit Maschinen steuern und Sicherheitsbereiche gegen unbefugten Zutritt sperren lassen. Dabei gibt es im Prinzip dieselben Probleme wie bei der Antwort auf die Frage, ob jene nun von „Al Dschasira“ ausgestrahlte Rede von Osama bin Laden stammt. Es geht stets um die Frage: „Ist das die Person?“

Der Vergleich von Schlüsselworten mehrerer Aufnahmen bietet die größtmögliche Sicherheit, sagt Professor Joachim Zinke, der sich an der Fachhochschule Gießen-Friedberg mit biometrischen Identifikationssystemen befasst. Von diesen Worten werden Spektrogramme angefertigt, die Lautmuster vom Computer auf gleiche Merkmale untersucht: Übereinstimmungen in den Frequenzen und ihren jeweiligen Energieanteilen. Eine hundertprozentige Sicherheit wie etwa beim Fingerabdruck schaffen die derzeitigen Erkennungssysteme aber nicht. gih

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