Zeitung Heute : Wer ist der Beste im ganzen Land

Sven Goldmann

Peters oder Sammer – der Streit um den Sportdirektor wird zur Machtprobe. Kann Klinsmann sich gegen den DFB durchsetzen?

Jürgen Klinsmann hat schon vor seinem Amtsantritt zu verstehen gegeben, was er vom Deutschen Fußball-Bund hält: „Im Prinzip muss man den ganzen Laden auseinander nehmen.“ Der Abrissunternehmer Klinsmann leistet ganze Arbeit: Er hat einen Manager für die Nationalmannschaft installiert, amerikanische Fitnesstrainer engagiert und klar gemacht, dass ein Bundestrainer seinen Hauptwohnsitz durchaus in Kalifornien haben kann. Der Laden ist nicht mehr der, den Klinsmann im Herbst 2004 vorgefunden hat.

Diese Vorgeschichte ist wichtig, um den Streit um die Personalie eines DFB- Sportdirektors zu verstehen. Klinsmann will diese Position mit Bernhard Peters besetzen. Noch ein Kulturschock für die Sachverwalter des größten Fußballverbandes der Welt, denn Peters hat sich seinen exzellenten Ruf in der Randsportart Hockey erworben. Klinsmann argumentiert, ein Sportdirektor sei vor allem als Stratege gefragt. Ein Sportdirektor Peters werde mit kreativem Geschick umsetzen, was der Trainerstab ihm vorgebe.

An diesem Punkt hakt der DFB ein. Klinsmann hat sich nämlich noch immer nicht dazu erklärt, ob er nach der WM in diesem Sommer als Bundestrainer weitermachen will. DFB-Präsident Theo Zwanziger verweist auf das Durcheinander nach dem überraschenden Rücktritt Rudi Völlers nach der Europameisterschaft 2004. Wenn schon ein Sportdirektor her müsse, dann solle er notfalls als Bundestrainer einspringen. Damit wäre Peters draußen. Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß hat Zwanzigers Vorstoß mit der ihm eigenen Deutlichkeit kommentiert: Kein Bundestrainer wolle einen zukünftigen Bundestrainer als Sportdirektor haben, „der nur mit den Hufen scharrt, wenn zwei Spiele verloren werden“.

Zwanzigers Favorit als Sportdirektor ist der frühere Nationalspieler Matthias Sammer, zur Not in einer Doppellösung mit Peters. Darüber will er am Mittwoch mit Klinsmann diskutieren. Das heraufbeschworene Szenario, der Bundestrainer werde die Entscheidung über den Sportdirektor mit seiner persönlichen Zukunft verknüpfen, ist vom Tisch. Klinsmann will sich der Entscheidung beugen.

Klinsmann und Sammer sind 1996 gemeinsam Europameister geworden. Klinsmann war Kapitän, Sammer Chef auf dem Platz, zwei starke Persönlichkeiten, von denen sich keine unterordnen möchte. Sammer könnte ein dem DFB willkommenes Gegengewicht zum Revolutionär Klinsmann sein. Auch Zwanziger wird erkannt haben, das bald nichts mehr übrig sein könnte von dem Laden, in dem er noch das Sagen hat.

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