Zeitung Heute : Wer kennt schon den Preis

Frank Bremser[Düsseldorf]

Die VW-Aktien sind vergangene Woche gestiegen, als habe jemand gewusst, dass Porsche bei Volkswagen einsteigen will. Die Börsenaufsicht BaFin wird dem deshalb nachgehen. Wie wird das gemacht?

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat angekündigt, die starken Kursausschläge der VW-Aktie der vergangenen Woche genauer zu untersuchen. Nach Gerüchten über den Einstieg eines großen Investors war der Aktienkurs deutlich gestiegen.

Vorerst handele es sich um eine Routineuntersuchung, noch keine Ermittlung wegen Insidergeschäften, erklärte BaFin- Sprecherin Anja Neukötter. Diese wäre dann möglich, falls die Investoren über Insiderinformationen verfügt hätten. Paragraf 13 des Wertpapierhandelsgesetzes definiert: „Eine Insiderinformation ist eine konkrete Information über nicht öffentlich bekannte Umstände, die sich auf einen oder mehrere Emittenten von Insiderpapieren oder auf die Insiderpapiere selbst beziehen und die geeignet sind, im Falle ihres öffentlichen Bekanntwerdens den Börsen- oder Marktpreis der Insiderpapiere erheblich zu beeinflussen.“

Solche Informationen sind eine drohende Insolvenz, ein lukrativer Großauftrag, besonders gute oder schlechte Geschäftszahlen oder eben Übernahmeabsichten wie bei jetzt im Fall Porsche/VW.

Experten der BaFin überwachen täglich Aktiengeschäfte und prüfen sie auf mögliche Unregelmäßigkeiten. Sie begutachten unter anderem die Kursentwicklung und das Handelsvolumen der entsprechenden Aktien, zum Beispiel vor Ad-hoc-Mitteilungen.

Verdichten sich bei diesen Untersuchungen die Anzeichen für verbotene Insidergeschäfte, beginnt die eigentliche Arbeit und es wird ein förmliche Untersuchung eingeleitet. Dabei müssen alle Banken und Sparkassen, die im fraglichen Zeitraum entsprechende Aktien ge- oder verkauft haben, der BaFin offenbaren, welche Unternehmen, Fonds und Privatpersonen hinter diesen Geschäften stehen. Dann untersuchen die BaFin-Experten, ob darunter Personen sind, die wichtige Informationen vorab kannten, also zum Beispiel Vorstands- oder auch Aufsichtsratsmitglieder. Aber auch Unternehmensberater oder Sekretärinnen, welche Informationen aufgeschnappt haben könnten, geraten in den Fokus der Ermittler. Möglich ist auch, dass der mutmaßliche Insider Verbindungen zu Top-Managern oder Personen aus deren Umkreis hatte. In der Regel dauert diese Analyse der Finanzaufsicht mehrere Wochen oder Monate. Dabei ermittelt die Behörde nicht gegen einzelne Personen oder Unternehmen, sondern ergebnisoffen. Sollte sich nach der Untersuchung der BaFin der Verdacht bestätigen, gibt die Behörde das Verfahren an die Staatsanwaltschaft weiter, die dann wiederum ein Ermittlungsverfahren einleitet. So geschehen Anfang des Monats: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt wegen Insidergeschäften bei Daimler-Chrysler nach der Rücktrittsankündigung von Jürgen Schrempp. Insidern drohen Geldstrafen oder bis zu fünf Jahre Gefängnis. Im Jahr 2004 hat die BaFin 300 Fälle beobachtet. Eine formelle Untersuchung startete sie 57 Mal. Fünf Mal sprachen Gerichte Verurteilungen aus, 29 Mal wurden die Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt.

Zusätzlich prüft die BaFin, ob ein Verstoß gegen die Publizitätspflicht vorliegt, da Porsche das Geschäft erst am Sonntag bekannt machte, der „Spiegel“ jedoch schon am Freitag vorab über den Deal berichtete. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, drohen Porsche Schadenersatzklagen und eine Geldstrafe von bis zu einer Million Euro.

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