Zeitung Heute : Wer klug ist, lässt sich jetzt nicht ausbremsen

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Von Constantin Gillies

Bloß nicht auffallen! Stillhalten und hoffen, dass es die Anderen trifft. So lautet die Strategie vieler Arbeitnehmer in diesen unruhigen Zeiten. Verständlich: Wenn heute das Telefon klingelt, sind meist Hiobsbotschafter an der Strippe – und reden von Entlassungen, gekürzten Budgets oder gar Pleite. Wer denkt da noch über Karriere oder gar einen Jobwechsel nach? Man ist schließlich froh, überhaupt einen Arbeitsplatz zu haben.

Doch nicht alle Angestellten denken so: Kluge Nachwuchskräfte lassen die lahme Konjunktur nicht ihre Karriere ausbremsen. Das beweist eine Studie des Kölner Rekrutierungsdienstleisters HR-Gardens. 90 Prozent aller befragten Jungmanager gaben an, mit einem Jobwechsel zu liebäugeln, um in eine interessantere Position zu kommen. Dabei sind diese latent Wechselwilligen keineswegs nur Verzweifelte, die das sinkende Schiff ihres aktuellen Arbeitgebers verlassen wollen. Laut HR-Gardens suchten nur zwölf Prozent um jeden Preis einen neuen Job. Selbst HR-Gardens-Sprecherin Anja Çakmak ist überrascht, „schließlich lädt die aktuelle wirtschaftliche Situation nicht gerade zu riskanten Wechselmanövern ein“.

Suche nach frischem Know-how

Was treibt die jungen Angestellten, in Zeiten des allgegenwärtigen Stellenabbaus freiwillig zu kündigen? Die Wiener Karriereexpertin Johanna Zugmann erklärt: „Trotz Entlassungen stellen viele Unternehmen auch neue Mitarbeiter ein.“ Vor allem kleine Firmen holten in Rezessionszeiten gerne Spitzenkräfte für den Turnaround an Bord. Jungmanager nutzen diese Chancen. „Sie ziehen zum nächsten Arbeitgeber, der frisches Know-how und Kontakte verspricht“, weiß Zugmann, Autorin des Buchs „Die Ich-AG“. Das Kalkül der Aufsteiger sei klar: „Es geht weniger um mehr Geld, sondern vor allem um mehr Arbeitszufriedenheit.“

Damit gehen die Umsteiger ein großes Risiko ein. Schließlich droht der „Reise nach Jerusalem“-Effekt: Wer aufsteht, findet in der nächsten Runde womöglich keinen (Arbeits-)Platz mehr. Deshalb will der Wechsel gut überlegt sein. Am Anfang steht eine scheinbar banale Frage: Was will ich überhaupt? Aber schon hier scheitert mancher Nachwuchsmanager. „Viele können diese Frage nicht beantworten“, weiß Klaus Christians, Vice Chairman Europe bei der Personalberatung I.I.C. Partners in München. Seine Erfahrung: Einige Angestellte wollen überhaupt keine Karriere machen, sondern sind mit hochqualifizierter Sachbearbeitung zufrieden. Andere glauben, alles auf einmal haben zu können, Christians: „Die wollen Unternehmensberater werden und gleichzeitig ein geregeltes Familienleben führen – mit Feierabend um Sechs.“ Hier sei Selbsterkenntnis der erste Weg zum besseren Job. Insgesamt gelte: Vor einem Wechsel sollte jeder Angestellte die Entwicklungsmöglichkeiten beim aktuellen Arbeitgeber ausloten.

Bewährtes Signal dafür, dass es Zeit ist zu gehen: Das Gefühl, im Job nichts mehr lernen zu können. Dann ist es Zeit für eine Selbstvermarktungsoffensive. Das Motto lautet: Tue Gutes und rede darüber. Karriereberater empfehlen, häufig Referate und Vorträge zu halten oder Artikel in Fachzeitungen zu publizieren. Das bringt den eigenen n auf die Radarschirme potenzieller Arbeitgeber und Headhunter der Branche. Wenn es um einen Kontakt mit dem Wunscharbeitgeber geht, sollten Umsteiger nicht zu zurückhaltend sein. Es gilt: Keine Angst vor der Kalt-Akquise. Eine Initiativbewerbung ist erfolgreicher als viele denken. Wenn nur Absagen kommen, ist die Grenze des Headhunting in Eigenregie erreicht. Professionelle Hilfe muss her. Wer einen Executive Search Berater (so nennen sich die Headhunter selbst) kennt, sollte nicht zögern, ihm seinen Lebenslauf zuzuschicken.

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