Zeitung Heute : Wer muss hier wen motivieren?

Der Tagesspiegel

Das geht nicht gut: Den Beschäftigten eins überziehen und gleichzeitig mehr Engagement verlangen. Deshalb wird Florian Gerster, wenn er seinen Posten bei der Bundesanstalt für Arbeit angetreten hat, als Betriebspsychologe wirken müssen. Die Stimmung unter den 88 000 Mitarbeitern ist erbärmlich. Kein Wunder, wenn man wochenlang als Deppen der Nation die Schlagzeilen bestimmt und als Fälscher von Statistiken unter Verdacht gerät. Wie soll Gerster die angeschlagene Truppe in Schwung bringen? Denn er wird seine Leute mitnehmen müssen auf die Reformreise. Vielleicht lässt sich mit weniger Bürokratie die Motivation fördern. Die Leute sind ja wirklich arm dran. Ein Beispiel: Zur Umsetzung des „Mainzer Modells“ haben die Arbeitsämter eine Weisung über 51 Seiten aus der Zentrale bekommen. Der Bürokratiewahn stammt im Übrigen eher aus Berlin, denn aus Nürnberg, weil der Arbeitsminister den Ämtern immer mehr aufhalst: Im Rahmen des Job-Aktiv-Gesetzes soll mit jedem Arbeitslosen eine Eingliederungsvereinbarung getroffen werden („Fördern und Fordern“); ab April geben die Ämter auch noch Gutscheine aus, mit denen Arbeitslose einen privaten Arbeitsvermittler engagieren können. Das alles kann nur funktionieren, wenn Gerster als Motivationskünstler einschlägt. alf

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