Zeitung Heute : Wer sensibel klettert, darf durch die Schlucht

Das hohe Verkehrsaufkommen und der Tourismus führen nach Ansicht des Deutschen Alpenvereins (DAV) zu einer immer größer werdenden Gefährdung einiger Teile der Alpen. Problematisch sei unter anderem eine neue "Erschließungswelle" für den alpinen Skisport, sagt DAV-Geschäftsführer Thomas Urban. Durch die Ausweitung der Möglichkeiten zum Skilaufen versuchten einzelne Skigebiete, den rückläufigen Gästezahlen entgegenzuarbeiten. Auch der zunehmende Einsatz von Kunstschnee in der Wintersaison stellt nach Angaben Urbans ein Problem dar. Wegen seiner hohen Verdichtung schade der Kunstschnee dem Untergrund.

Mit mehreren Projekten will sich der DAV auch im "Internationalen Jahr der Berge" aktiv für eine nachhaltige Nutzung der Gebirge einsetzen. Der Ansatz lautet "Lenken statt Verbieten". Dazu gehört, dass sich der 650 000 Mitglieder zählende Verein für eine gesteuerte Zulassung des so genannten Canyoning in den Bayerischen Alpen einsetzt. Das Canyoning sei bisher gar nicht erlaubt, was aber den wenigsten Landratsämtern klar gewesen sei, sagt DAV-Umweltreferent Stefan Witty. 15 Schluchten vor allem im Wettersteingebirge und im Raum Berchtesgaden sollen nun freigegeben werden.

Eine DAV-Untersuchung habe gezeigt, dass die Trittschäden von Canyoning-Sportlern in diesen Schluchten nicht größer seien als die natürlichen Veränderungen durch das Geröll, das regelmäßig vom Hochwasser mitgeführt wird. Gebirgswasserläufe ohne dieses so genannte Geröll-Geschiebe sollten dagegen für das Canyoning tabu sein. Auch seien Sperrungen in der Brut- und Laichzeit sinnvoll.

Auch in Felsgebieten in den Mittelgebirgen setzt der DAV auf eine nachhaltige Nutzung. So sollten Freizeitsportler in der Brut- und Aufzuchtzeit von in den Felsen lebenden Vögeln auf das Klettern besser verzichten. Beim Wanderfalken sei das zum Beispiel von März bis Juli der Fall, sagt Witty. Das Anbringen von so genannten Umlenkhaken für die Seile durch den DAV führe dazu, dass die Kletterer die besonders sensible Felsspitze nicht betreten müssten. Bundesweit, so der Verein, gebe es bis zu 10 000 Kletterfelsen. Sogar im eher flachen Niedersachsen seien es mehr als 900.

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