Zeitung Heute : Wer tut den ersten Schritt?

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Von Klaus Zernack

Am Ende des „Preußenjahres“ 2001 schrieb der Herausgeber dieser Zeitung: Man tue sich in Berlin und Brandenburg gern groß mit Preußen, sei aber nicht bereit, der historischen Preußenforschung eine Heimstätte zu sichern.

Eine solche ist lange Zeit die Historische Kommission (HiKo) zu Berlin mit ihrer Forschungsstelle im Mittelhof in Nikolassee gewesen. Doch diese geriet nach der Wende in die große Evaluationswelle – mit ihren weitreichenden Konsequenzen vor allem für die Akademie-Institute im Osten. Prinzipiell konnten davon auch Akademie ähnliche Einrichtungen im Westen wie eben die HiKo, die eigentlich schon in den achtziger Jahren hätte evaluiert werden müssen, nicht mehr ausgenommen werden. Jetzt – 1992 – fand der Wissenschaftsrat die Kriterien für den Fortbestand der HiKo-Forschungsstelle nicht ausreichend erfüllt. Die Kohärenz des wissenschaftlichen Programms und dessen überregionale Relevanz ließen zu wünschen übrig, lautete die Kritik der evaluierenden Wissenschaftler.

Die daraus resultierende Empfehlung lautete daher – wie vielfach auch im Osten –, das Ganze zu schließen. Aus brauchbaren Teil..el.ementen sollte aber etwas Neues aufgebaut werden. Im Fall der Historischen Kommission hieß das, die bewährten Ansätze der Polen- und Preußenforschung in europäischer Perspektive auszuweiten und sie in Zusammenarbeit der Länder Berlin und Brandenburg in eine neue institutionelle Form zu fassen.

Schließung vollzogen

Während über das Neue beraten wurde, wickelte die Senatsverwaltung, gestützt auf das Votum des Wissenschaftsrates von 1992, die alte Forschungsstelle im Mittelhof 1995/1996 ab. Bestehen blieb nur ein kleines Büro für den Mitgliederverein. Freilich wäre die Voraussetzung, zumindest aber die Konsequenz dieses Schrittes im Einklang mit dem Wissenschaftsrat, die Neugründung eines Berlin-Brandenburgischen Preußen-Ins.tituts gewesen.

Dieses Projekt aber kam mehrere Jahre lang nicht vom Fleck. Erst strich Brandenburg seinen Beitrag, dann Berlin. Gewiss waren die finanziellen Schwierigkeiten der Länder groß, und die Haushaltslage verschlechterte sich noch von Jahr zu Jahr. Was schließlich 1997 – ohne brandenburgischen Anteil – in Berlin für kurze Zeit eingerichtet werden konnte, war ein „Interdisziplinärer Forschungsverbund“, der sich den Namen „Forschungsinstitut für die Geschichte Preußens“ gab und in dem die beteiligten Wissenschaftler bis zum Schluss den Nukleus für eine Aufwä rtsentwicklung sahen.

Auch die Volkswagen-Stiftung verstand das so. Sie bewilligte dem Institut 1,5 Millionen Mark für dieses Vorhaben – verteilt auf vier Jahre – und knüpfte daran die Bedingung, dass Berlin und Brandenburg ihre Bereitschaft zu einer entsprechenden Anschlussfinanzierung ab dem Zeitraum 2003/2004 erklärt hätten.

Jetzt sind die Universitäten gefragt

Viel wäre das nicht gewesen, aber es hätte die Wende zum Guten bedeuten können. Die Verwaltung in Berlin votierte dafür – die Politik dagegen. Dennoch ist dieses Kapitel noch nicht beendet. Preußenforschung in Berlin macht Sinn. Dieses sieht auch die Volkswagen-Stifung so. Wenn eine Universität das Thema bei der Widmung ihrer Lehrstühle aufgreifen sollte, ist die Volkswagen-Stiftung nicht unwillig, bei Zwischenfinanzierung und Ausstattung zu helfen – und dann wäre auch der Empfehlung des Wissenschaftsrates Genüge getan.

Der Autor war von 1986 bis 1990 Vorsitzender der Historischen Kommission zu Berlin.

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