Zeitung Heute : Wer verdient was beim Insiderhandel?

Der Finanzmathematiker Stefan Ankirchner erhält heute den Dissertationspreis 2005

Reinhart Bünger

Der junge Mathematiker Stefan Ankirchner und jene Institutskollegen, die seine Arbeit für den Dissertationspreis 2005 vorschlugen, hatten Glück: Aktueller hätte seine Forschungsarbeit aus der Finanzmathematik nicht sein können. Ankirchner beschäftigte sich an der Humboldt-Universität (HU) nämlich mit der Frage, wie der Vorteil eines Insiders im Vergleich zu normalen Investoren zu beziffern ist, wenn der Insider geheime, privilegierte oder versteckte Informationen besitzt. Von Hilmar Kopper, der beschuldigt wird, Insiderinformationen zum Schrempp-Rücktritt an die Deutsche Bank verraten zu haben, ist in seiner Arbeit natürlich nicht die Rede. Ankirchner, der zurzeit ein Fellowship am Imperial College in London hat, geht es in seiner Arbeit unter dem Titel „Information and Semimartingales“ um abstrakte Berechnungen, die aber konkret werden, sogar Staatsanwälte beschäftigen können.

„Die diesjährige Preisträgerarbeit bietet ein hervorragendes Beispiel dafür, dass in Adlershof auch wirtschaftlich verwertbare Innovationen entstehen, welche die Gesellschaft zu Recht erwartet“, bilanziert Prof. Dr. Ingolf V. Hertel, Initiator und Sprecher der Initiativgemeinschaft Außeruniversitärer Forschungseinrichtungen (IGAFA), die Sichtungsarbeit. 13 Arbeiten, die in Adlershof entstanden, wurden 2005 Jahr für den Preis eingereicht. Das liegt genau im Schnitt. Zehn bis 15 Arbeiten werden jedes Jahr von den Instituten für den Preis eingereicht. Exzellent und anwendungsorientiert sind sie alle, die Auswahl fällt den Juroren stets schwer.

Der Dissertationspreis Adlershof, der zum vierten Mal vergeben wird, soll Forschung made in Adlershof besonders würdigen und öffentlich sichtbar machen. „Als gemeinsamer Preis der IGAFA, der HU und der WISTA-Management GmbH soll er zugleich auch ein Stück lebendiger Kultur des Austauschs am Standort Adlershof dokumentieren, die Zug um Zug Früchte trägt“, sagt Hertel. Universität, Forschungseinrichtungen und Unternehmen arbeiteten hier zusammen, erschlössen die viel beschworenen Synergien und bildeten erfolgreiche Kompetenznetzwerke. Zugleich werde hier der Nachwuchs besonders gefördert, was für die Dynamik wichtig sei, ergänzt Hans Jürgen Prömel, Vizepräsident für Forschung an der Humboldt-Universität: „Adlershof ist bereits einer der führenden Technologieparks in Europa und im Nachwuchsbereich international sehr sichtbar – etwa in der Physik oder in der Mathematik. Das ist eine bemerkenswerte Leistung, denn wir leben ja nicht in China, sondern in Deutschland, in einer Zeit stagnierenden Wachstums!“ Im Moment würden junge Wissenschaftler ihre berufliche Zukunft noch nicht in China suchen. „Unsere Hauptkonkurrenten befinden sich im westlichen Ausland“, sagt Prömel. Vor allem Cambridge in England ist aus universitärer Sicht als Modell eines Wissenschaftsstandortes überaus interessant.

Der Dissertationspreis wird heute um 16.30 Uhr im Konferenzraum des Erwin- Schrödinger-Zentrums, Rudower Chaussee 26, verliehen. Die Veranstaltung ist öffentlich, um eine Anmeldung im Wissenschaftsbüro der IGAFA unter Tel. 6392-3583 wird gebeten.

Weitere Informationen im Internet:

www.hu-berlin.de/hu/adlershof/forschung/disspreis

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar