Zeitung Heute : Wer weicht

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Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall strahlte, AirbusChef Gerhard Puttfarcken lächelte zufrieden. Nach Jahren des Ärgers mit Bewohnern des Elbedorfes Neuenfelde und verlorenen Gerichtsverfahren scheint der 54-jährige Obstbauer Cord Quast dem Flugzeugbauer am Wochenende durch den Verkauf seines Schlüsselgrundstücks auf der Airbus-Verlängerungspiste grünes Licht für den Ausbau gegeben zu haben.

Uldall wies allerdings auf „zwei kleine Hindernisse“ hin: 30 Hamburger haben am Rande der geplanten Start- und Landebahn ein „Sperrgrundstück“ von etwa 100 Quadratmetern erworben, um das Pistenprojekt zu Fall zu bringen. Allerdings hat das Oberverwaltungsgericht bereits signalisiert, dass in diesem Fall eine Enteignung möglich sei. Problem zwei: Weil das Areal der Neuenfelder Kirchengemeinde, die ihr Grundstück noch nicht verkauft hat, 100 Meter in die vorgeschriebene Sicherheitszone um die Piste hineinreicht, muss jetzt eine Umgehungsstraße teilweise durch diese Zone verlegt werden. „Diese Baumaßnahme muss vom Bundesluftfahrtamt genehmigt werden“, sagte Uldall. Die Verlegung koste Airbus voraussichtlich einige Millionen Euro, bedauerte Puttfarcken. Uldall appellierte am Montag noch einmal an die Kirchengemeinde und an einen Feuerwehrmann, ihre Grundstücke doch noch zu verkaufen: „Denn die Verlängerung wird jetzt so oder so gebaut“. Airbusmanager Puttfarcken bot ihnen erneut an, den Neuenfeldern einen Fonds von drei Millionen Euro zur beliebigen Verwendung zur Verfügung zu stellen, wenn sie ihre Grundstücke doch noch abgeben.

Obstbauer Quast hat nicht nur eine „Ausgleichszahlung“, schätzungsweise 2,3 Millionen Euro, für seine etwa 38000 Hektar große Grünfläche, sondern auch noch ein Ersatzgrundstück erhalten. Außerdem hat er eine Reihe von Vorteilen für Neuenfelde herausgeholt: Der Senat versprach ihm ein Grundstück, das eine weitere Verlängerung der Piste blockiert. Eine künftige Industrieansiedlung östlich und westlich der Flugbahn darf nicht stattfinden. Ein geplanter Lärmschutzwall wird verlängert. Ein ehemaliger Radweg auf dem Neuenfelder Deich wird erneuert. Pächtern von Obstplantagen will die Stadt wieder langfristige Pachtzeiten anbieten, mit einer Dauer von bis zu 20 Jahren. Quasts Anwalt Michael Günther berichtete, der Verkauf sei seinem Mandanten schwer gefallen: „Aber er befürchtete, enteignet zu werden und hat sich deshalb von der Position ,Alles oder Nichts’ gelöst.“ Ähnliche Angebote hatte der Senat auch schon der Kirchengemeinde und dem Feuerwehrmann gemacht. Dennoch waren die Verhandlungen gescheitert.

Airbus-Chef Puttfarcken vermutet, dass die Fertigstellung der Verlängerungspiste mit allen Genehmigungen und Baumaßnahmen genauso lange dauern dürfte wie ein Enteignungsverfahren, nämlich zweieinhalb bis drei Jahre. Puttfarcken: „Aber jetzt haben wir eine viel größere Rechtssicherheit.“

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