Zeitung Heute : Wer zuletzt lacht

Die Wahlstatistik ist eindeutig – aber nicht ohne Ausnahmen

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Der amtierende USPräsident George W. Bush wird wenig gute Erinnerungen haben, wenn er an den Auftakt seiner Vorwahlen vor vier Jahren zurückdenkt. Sein Gegenspieler John McCain düpierte den späteren Wahlgewinner in New Hampshire mit 19 Prozent Vorsprung. Wenige Tage später konnte Bush nach einem persönlich stark engagiert geführten Wahlkampf im Bundesstaat Delaware zwar mit 51 Prozent gewinnen, die 25 Prozent seines Konkurrenten schmerzten ihn dennoch. Schließlich hatte McCain nicht einen einzigen Wahlkampfauftritt in Delaware absolviert. Der Rest ist Geschichte. Bush setzte sich durch – und gewann die Wahl gegen den Demokraten Al Gore.

Auch heute ist das Rennen, welcher Demokrat den amtierenden republikanischen Präsidenten am 2. November herausfordert, offen. Die Statistik liefert nur Wahrscheinlichkeiten: In den vergangenen 50 Jahren wurden von den insgesamt 26 Siegern der Vorwahlen von Demokraten und Republikanern in New Hampshire nur neun später nicht zum Kandidaten nominiert. Umgekehrt gewannen von allen Präsidenten seit 1953 nur zwei nicht die Vorwahl ihrer Partei in dem Neuenglandstaat: Die berühmten Ausnahmen sind der Demokrat Bill Clinton, der 1992 Senator Paul Tsongas unterlag, und eben Bush junior. Und diese Ausnahmen zeigen auch, dass sich aus den ersten Ergebnissen keineswegs gesicherte Prognosen über den weiteren Verlauf des Vorwahlmarathons ableiten lassen

Wer in den ersten Vorwahlen „unter ferner liefen“ abschneidet, kann sich meistens nicht mehr von dem Schlag erholen und hat Probleme, sich Spenden für eine Fortsetzung seines Wahlkampfs zu sichern. So war die Primary in New Hampshire zum Beispiel für John Glenn (1984), Bob Dole (1988) und Steve Forbes (1996 und 2000) der Anfang vom Ende.

Vorwahlen (Primaries) wurden Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Ziel eingeführt, allen Parteimitgliedern in einem Staat die Entscheidung über einen Kandidaten in die Hand zu geben. Die Parteiversammlungen (Caucuses) haben zwar die größere historische Tradition, werden aber nur noch in wenigen US-Staaten praktiziert. Bei den Caucuses kommen Parteimitglieder zusammen, um über die Bewerber zu befinden. Teilnehmer sind in der Regel aktive Parteimitglieder. Die Regelungen sind aber von Staat zu Staat verschieden, so dass auch Nichtparteimitglieder oder gar Mitglieder anderer Parteien mit abstimmen können. Entsprechend den Ergebnissen bei den Vorwahlen verteilen sich die Delegierten, die auf den Wahlparteitagen dann endgültig den Kandidaten küren. Tsp

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