Zeitung Heute : Werbung und Jugendschutz im Fernsehen

jbh

Ab 1. April gelten in der Rundfunklandschaft wichtige Neuerungen. Die Werberichtlinien werden gelockert, zugleich soll mit dem Inkrafttreten des novellierten Rundfunk-Staatsvertrags der Jugendschutz verstärkt werden. Das Gesetzeswerk, das von den Parlamenten aller 16 Bundesländer verabschiedet wurde, ermächtigt zudem ARD und ZDF zum Angebot digitaler Programmpakete. Zugleich wurde die Zugangsfreiheit zum Decoder (Set-Top-Boxen) verbessert, der im Digital-TV für das Entschlüsseln der Programme benötigt wird. Nachfolgend die wichtigsten Änderungen

Werbung: Künftig können die Sender mit geteiltem Bildschirm (Split Screen) werben. Das Werbe-Fenster muss jedoch auf dem Bildschirm eindeutig vom gleichzeitig laufenden Programm getrennt sein. RTL hat den Split Screen bereits beim Formel-1-Rennsport und bei Boxkämpfen benutzt. Mit dem geteilten Bildschirm darf nicht bei Gottesdiensten sowie Kindersendungen geworben werden.

Virtuelle Werbung wird erlaubt: Bei Fußballspielen dürfen zum Beispiel Slogans und Logos von Unternehmen elektronisch eingeblendet werden. Es dürfen jedoch nur Spielfeldbanden oder Tribünenwerbung überblendet werden.

Einzel-Werbespots sind in Ausnahmen erlaubt, die Blockwerbung bleibt jedoch die Regel. Die Summe der Unterbrechungen darf sich nicht erhöhen. Nur in Ausnahmefällen dürfen die Sender den 20- Minuten-Abstand zwischen den Werbeblöcken unterschreiten. Insgesamt sind weiter zwölf Minuten Werbung pro Stunde zulässig.

Bei Schleichwerbung kann künftig ein hohes Bußgeld verhängt werden, allerdings muss im Einzelfall mit "Indizien" nachgewiesen werden, ob dabei absichtlich vorgegangen wurde. Verlags-TV-Sendungen (zum Beispiel "Spiegel TV", "Focus TV") dürfen in der Sendung keinen direkten Hinweis auf die Ausgabe des Printprodukts enthalten.

Jugendschutz: Im digitalen Fernsehen - dies gilt in Deutschland für den Pay-TV-Sender PremiereWorld - werden für Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignete Sendungen mit einer Vorsperre verschlüsselt. Die Eltern können die Sperre mit einem speziellen Code wieder öffnen. Dafür darf der Bezahl-Sender Filme mit der Einstufung "erst ab 16 Jahre" rund um die Uhr zeigen.

Die neuen Jugendschutzvorschriften werden auch im herkömmlichen analogen Fernsehen auffallen. "Die folgende Sendung ist für Zuschauer unter 16 (beziehungsweise 18) Jahren nicht geeignet", wird ab Samstag eine Stimme sagen, falls Sender zwischen 22 und 6 Uhr entsprechende Filme zeigen.

Die Landesmedienanstalten können künftig Privatsender verpflichten, problematische Nachmittags-Talk-Shows und andere komplette "Sendeformate" zum Schutz junger Zuschauer auf abendliche Sendetermine zu verlegen. Bisher war dies nur bei Einzelsendungen, insbesondere Filmen, möglich.

Computer: Für Rechner, mit denen man auch fernsehen und Radio hören kann, müssen bis Ende 2003 keine Rundfunkgebühren gezahlt werden.

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