Zeitung Heute : Werbung und neue Medien: "Fortgeschrittene Pubertät erreicht"

Oliver Strubel

Noch vor zwei Jahren reichte eine einzige Qualifikation kaum aus, um in der Multimedia-Branche Fuß zu fassen. Ein Designer musste weit mehr machen als nur gestalten: Er sollte texten, konzipieren, programmieren und seine Ideen dem Kunden erfolgreich verkaufen können. Viele machten alles Mögliche im Verlauf eines Projektes: Die Grenzen zwischen den heutigen Bereichen Kreation, Technik und Projektmanagement waren fließend.

Mittlerweile ist die Branche erwachsen geworden, zumindest befindet sie sich in der fortgeschrittenen Pubertät. Die Generalisten der ersten Zeit haben sich spezialisiert und neue Spezialisten sind dazugekommen: In der Kreation von Aperto / Cell Network beispielsweise arbeiten heute Motiondesigner, Screendesigner, Informationsarchitekten und Konzepter. Darüber hinaus sind Experten für digitale Bildbearbeitung, für Markenführung im Netz, für Usability und für Konvergenz beschäftigt.

Trotz dieser Spezialisierung ist es aber nach wie vor wichtig, kategorienübergreifend denken zu können. So muss sich ein Webdesigner sowohl in Kundenanforderungen als auch in Nutzerbedürfnisse eindenken können und die jeweilige technische Grundlage beherrschen, mit der seine Entwürfe umgesetzt werden.

Ein Webdesigner muss immer noch viel mehr über Technik wissen als etwa ein Plakatgestalter, der die technische Umsetzung weitgehend Belichtungsstudio und Druckerei überlässt. Auch webbasierte Animationen - heute tagesübliches Geschäft - sind nur mit genauer Kenntnis des erzeugenden Programms zu bewerkstelligen; hier haben die Werkzeuge Macromedia Director und besonders Flash eigene Formen der Ästhetik erzeugt, die es vorher nicht gab.

Die Unternehmenskultur in den Agenturen und die im Team gemeinsam entwickelten Ideen eines geplanten Webauftritts lassen auch für Designer die so genannten Soft Skills immer wichtiger werden. Und weil die Sprache des Internets Englisch ist und internationale Meetings in großen Agenturen an der Tagesordnung sind, ist ein Designer-Job ohne Fremdsprachen-Kenntnisse heute ebenfalls nicht mehr zu machen.

Aber trotz immer neuer Spezialisierungen und gewachsener Anforderungen ist gerade wegen der Dynamik dieser Branche auch eines sicher: Ein Webdesigner kann hier immer wieder Dinge tun, die er vorher noch nicht getan hat, die auch die Agentur vorher noch nicht getan hat und die vielleicht noch nie jemand zuvor getan hat. Und das ist extrem spannend.

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