Zeitung Heute : Werner E. Klatten, Leiter Märkte und Erlöse im Spiegel-Verlag, sieht keine Schwächen

Herr Klatten[man nennt Sie den "Erlöser".]

Werner E. Klatten leitet seit Ende 1994 den Bereich Märkte und Erlöse im Spiegel-Verlag. Mit dem 54-Jährigen sprach Ariel Hauptmeier über "Spiegel Reporter", den Zwist mit Ex-"Spiegel"-Chefredakteur Kilz und die Mitarbeiter-KG.

Herr Klatten, man nennt Sie den "Erlöser".

Der Spitzname ist lustig, aber natürlich Quatsch.

Gerade sind Sie mit Chefredakteur Stefan Aust und Redaktionsleiter Cordt Schnibben auf einer "Roadshow" unterwegs, in der Sie bei Werbekunden das neue "Spiegel Reporter" anpreisen. Was erzählt man da?

Erst bewältige ich die Vergangenheit von "Reporter", rede also darüber, warum wir "Spiegel Spezial" umgestellt haben. Dann kommt Chefredakteur Stefan Aust und erläutert das Grundkonzept des Blattes. Und dann stellt der verantwortliche Redakteur Cordt Schnibben das Heft vor.

Und dann schalten Planer Anzeigen.

Das wäre vielleicht in den USA so. Hier sagen die einen: Finden wir gut, wir werden nach Rücksprache mit unsere Auftraggebern Anzeigen schalten. Die anderen sagen: Wir warten ab, wie sich die Auflage entwickelt. Insgesamt zeichnet sich aber ein positiver Anzeigentrend ab.

Glaubt man Hans Werner Kilz, Ex-Chefredakteur des "Spiegels" und amtierender Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung", dann verüben Sie Anschläge auf die innere Pressefreiheit des "Spiegels".

Die Äußerung ist nicht nur falsch, sondern auch dämlich. Ich kann sie nur damit in Zusammenhang bringen, dass der gute Mann seinen Abgang beim "Spiegel" noch nicht verwunden hat. Die innere Pressefreiheit des "Spiegels" ist konstitutiv für den publizistischen und wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Es wäre töricht, sie anzutasten.

Der Vorwurf lautet: Sie haben der Chefredaktion nahe gelegt, über neue Produkte von Anzeigenkunden zu berichten.

Das ist vollkommener Unsinn. Ich habe Herrn Kilz bereits geschrieben und ihn um eine Klarstellung gebeten. Dann sehen wir weiter.

"Bleiben Sie gesund" titelte der "Spiegel" und brachte 40 Seiten Gesundheitsthemen. Das würde man eher von "Focus" erwarten.

Solche Titel sind nicht neu für den "Spiegel". Neu ist, dass solche Themen gelegentlich von der Redaktion in Extras aufbereitet werden, z. B. anlässlich der Cebit.

Mehrere Neugründungen des "Spiegel"-Verlags waren Flopps.

Das stimmt nicht. Erstens diskutieren wir unsere Strategien gemeinsam, und zweitens haben wir zum Beispiel die Beilage "Kultur-Spiegel" und das Jahresheft "Spiegel Chronik" am Markt durchgesetzt.

Aber den "ICE-press" mussten Sie wieder einstellen ...

der von vornherein als ein Test geplant war und fortgesetzt wird, sobald die digitale Drucktechnik billiger geworden ist . . .

und haben das Wirtschaftsmagazin "Econy" nach nur zwei Ausgaben abgestoßen.

Besser nach zwei als nach 20 Ausgaben. Nach den ersten beiden Heft war klar, dass wir unsere Ziele nicht erreichen können. Im Nachhinein ist man immer schlauer, aber im Vorfeld war das Konzept bei uns im Haus und auch bei der Werbewirtschaft enorm gut angekommen. Es hat aber im Lesermarkt nicht funktioniert.

Der Spiegel-Verlag gehört zur Hälfte den Mitarbeitern. Deshalb werden Gewinne ausgeschüttet, nicht für Investitionen gespart. Anders gesagt: Der Mitarbeiter-KG ist ihr Weihnachtsgeld lieber als eine neue Zeitschrift.

Das stimmt nicht. Richtig ist, dass wir sehr wohl seit einigen Jahren mit Zustimmung der Gesellschafter Rücklagen gebildet haben. Und die Mitarbeiterbeteiligung hat zusätzlich Vorteile. Die Leute identifizieren sich mit ihrem Unternehmen. Es gibt eine hohe Diskussionsfreudigkeit, die dem Management immer wieder Fragen stellt, was unserer Entscheidungsbildung gut tut.

Aber die verlegerische Arbeit wird erschwert.

Nein, wir haben viel gemacht in den letzten Jahren. Allerdings können wir nicht mit der großen Geldbörse investieren, sondern stecken unser Geld in kleine Projekte.

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