• Wer’s in der eigenen Sprache nicht versteht: Das Englische bringt vieles besser auf den Punkt Die Sprachen des Spiels

Zeitung Heute : Wer’s in der eigenen Sprache nicht versteht: Das Englische bringt vieles besser auf den Punkt Die Sprachen des Spiels

Kaya Yildirim hat die „Gazzetta dello Sport“ durchgeblättert und ist über Wörter in der Fußballberichterstattung gestolpert, die er nicht zuordnen konnte. Und das als Fan! Damit es anderen Menschen nicht so geht wie ihm, hat er das „Fußball-Wörterbuch“ geschrieben. Das übersetzt die 220 wichtigsten Begriffe der schönsten Nebensache der Welt.

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Die Idee zum Buch kam Kaya Yildirim vor anderthalb Jahren, am Bahnhof Zoo. Beim Durchblättern von „L’Équipe“ und der „Gazzetta dello Sport“ stolperte er über Wörter in der Fußballberichterstattung, die er nicht zuordnen konnte. „Ich spreche Französisch, Italienisch verstehe ich auch ganz gut“, sagt Yildirim. Aber was „entre deux“ in diesem Zusammenhang bedeute oder „fuoricioco“ – wer wisse das schon? (Abgesehen davon, dass „Schiedsrichterball“ und „Abseits“ manchen Fußballlaien selbst in der Muttersprache zu erklären sind.)

Ein Fußballlexikon in mehreren Sprachen sollte es geben, dachte sich Yildirim. Die Fußballsprache ist voller Kuriositäten, er will sie erklären helfen. So heiße „Nachspielzeit“ (englisch „added time“, nicht zu verwechseln mit „extra time“, der Verlängerung) auf Spanisch „descuento“, was im Wortlaut eigentlich „Rabatt“ bedeute.

Mit der WM im eigenen Land vor der Haustür musste es schnell gehen. Aus der Idee wurde ein Manuskript, auf der Frankfurter Buchmesse im letzten Herbst ein Verlag gefunden, im Januar konnte das „Fußball-Wörterbuch“ erscheinen, Auflage: 5000 Stück. Die zweite wird gerade gedruckt.

Yildirim sitzt im „Café M“ in der Schöneberger Goltzstraße, seinem „zweiten Zuhause“, wie er sagt. Er trinkt einen Milchkaffee, wie so häufig, und erzählt von den letzten Monaten.

„Die wichtigsten 220 Fußballbegriffe“ in sieben Sprachen – die der großen Fußballnationen plus Türkisch – zu identifizieren und zu veröffentlichen, das war sein Anspruch. Nur gut, dass er pedantisch veranlagt sei, sagt Yildirim. Einen Roman zu schreiben, hätte er sich nicht vorstellen können. „Schon beim Verfassen des Vorworts kam ich ins Schwimmen.“ Eigentlich ist er Arzt, aber davon hat er sich gerade eine Auszeit genommen. Dass man sich seine Zeit beim Schreiben selbst einteilen kann, gefällt dem 35-Jährigen.

In den wuseligen, multikulturellen Straßen rund um den Winterfeldtplatz fühlt sich Yildirim wohl. Hier ist er – als Sohn einer Deutschen und eines Türken – zweisprachig aufgewachsen, sonnabends geht er immer auf den Markt. Mit seiner Frau Mandy wohnt er im selben Haus wie seine Eltern, mit dem dreijährigen Pascal und seit wenigen Tagen mit dem „WM-Kind“ Maja.

„Das Zusammenleben von Menschen aus so vielen Ländern, diese typische Berliner Universalität, das wollen wir der Welt in diesen Wochen zeigen“, wenn die sich hier zum Fußball trifft. Wie man mit anderen Fußballbegeisterten zurechtkommt, hat der Fan des Bundesligisten Hertha BSC bei seinen europaweiten Stadionbesuchen gelernt. „Sprachkenntnisse sind der Schlüssel zur Verständigung. Und zur Verständigung hat schon beigetragen, wer dem Sitznachbarn von der Elfenbeinküste im Stadion auf Französisch erklären kann, was die Leute meinen, wenn sie ,Schwalbe!‘ brüllen.“

Manchmal sei der Blick in andere Sprachen hilfreich: Die französische „lucarne“ (Dachluke) meine den „Dreiangel“; klarer werde das mit dem englischen „upper goal corner“. Ein typischer Fall, sagt Yildirim: „Das Englische bringt vieles besser auf den Punkt“, im Französischen gibt es mehr Sprachbilder. Und noch eine Besonderheit will er festgestellt haben: „Was wir mit ,Schiedsrichterball‘ bezeichnen, nennen die Franzosen ,entre deux‘, also zwischen zwei, was sich nur auf die Spieler bezieht.“ Die Engländer sagen „drop-ball“, ganz neutral. „Nur wir nehmen den Schiedsrichter da mit rein. Ziemlich obrigkeitshörig, finden Sie nicht?“, sagt Kaya Yildirim. Juliane Schäuble

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