Zeitung Heute : Wert des Friedens

Das Worldwatch Institute hat ausgerechnet, wie viel die Vereinten Nationen für ihre Friedenseinsätze ausgeben. Was kostet der Frieden?

Dagmar Dehmer

Die Vereinten Nationen werden von Juli 2007 bis Juni 2008 aller Voraussicht nach sieben Milliarden US-Dollar für Friedensmissionen ausgegeben haben. Im Dezember 2007 waren nach Angaben von Michael Renner, der beim Washingtoner Worldwatch Institute das globale Friedensprojekt leitet, insgesamt 84 309 Blauhelme (70 000), Polizisten (10 000) und Militärbeobachter (2500) im Einsatz. Schon im Vorjahr hatten die Ausgaben mit 5,6 Milliarden Dollar einem Rekordwert erreicht.

Das verblasse allerdings im Vergleich mit den weltweiten Militärausgaben, sagt Renner. 2006 lagen sie 228 Mal höher, bei 1,23 Billionen Dollar. Allein der Irakkrieg habe die USA bisher 632 Milliarden Dollar gekostet. Bei Friedenseinsätzen außerhalb der UN waren nach Renners Angaben im Jahr 2005 rund 540 000 Soldaten im Einsatz, der Anteil amerikanischer Soldaten daran, im Irak, Afghanistan und anderen Teilen der Welt, betrug 394 000.

Den Einsatz der Afghanistanschutztruppe Isaf hat Renner in diesem Jahr allerdings gar nicht mehr zu den Friedenseinsätzen dazugezählt. Dort gebe es keinen Frieden mehr zu schützen. „Das wird immer mehr zu einem ganz normalen Krieg“, sagte Renner dem Tagesspiegel. Er würde der Bundesregierung auch nicht dazu raten, dem Druck der USA und anderer Nato-Partner nachzugeben, und künftig auch Bundeswehrsoldaten bei Kampfeinsätzen im Süden des Landes einzusetzen. Nach Renners Einschätzung „führt das von der Konzeption her zu einem endlosen Krieg“. Das gelte jedenfalls, wenn solche Einsätze zu den Bedingungen der USA geleistet würden, sagt Renner.

Doch auch Zahl und Größe der UN-Friedenseinsätze nehmen zu. Im vergangenen Jahr hat der UN-Sicherheitsrat die größte Friedenstruppe aller Zeiten beschlossen. Sie soll in der westsudanesischen Krisenregion Darfur zum Einsatz kommen und am Ende rund 20 000 Soldaten umfassen.

Auffällig an den UN-Einsätzen ist, dass die einen dafür bezahlen, und die anderen die Soldaten stellen. Die größten Zahler sind die USA und Japan, die für 43 Prozent der Kosten für die Blauhelme aufkommen. Deutschland, Großbritannien und Frankreich stehen für weitere 24 Prozent ein. Insgesamt bezahlen 15 Staaten 90 Prozent des UN-Budgets für Friedenseinsätze. Von den Zahler-Staaten leisten aber nur Frankreich und Deutschland relevante Beiträge beim Personal. Im Dezember 2006 waren es 2408 französische und 1143 deutsche Blauhelme. Großbritannien stellte 358, die USA 324 und Japan 31 Soldaten.

Bei den Truppenstellern heißen die Großmächte Bangladesch, Pakistan und Indien, die im Dezember 2006 alle drei knapp 10 000 Soldaten in UN-Friedenseinsätze schickten. Es folgen Länder wie Ghana, Nigeria, Italien. Bis Januar 2008 sind bei UN-Friedenseinsätzen seit 1948 insgesamt 2361 Blauhelme getötet worden. Insgesamt elf deutsche Friedenssoldaten sind bei UN-Einsätzen ums Leben gekommen. Doch trotz der steigenden Zahl von Friedenseinsätzen ist nicht auch die Zahl der Toten ständig gewachsen. Für die Blauhelme war 1993 mit 251 Toten das schlimmste Jahr. Im vergangenen Jahr waren es 82.

Die Friedensmissionen sind seit der ersten 1948 „immer komplexer“ geworden. Im Kongo, bisher der größte UN-Einsatz mit rund 17 000 Soldaten, geht es eben nicht mehr darum, „Neutralität zu wahren sondern die Zivilbevölkerung zu schützen“, zur Not eben mit der Waffe. Allerdings kritisiert Renner, dass die Blauhelme höchst unterschiedlich dazu in der Lage sind, ihre Aufgaben auch zu erfüllen. Er wünscht sich „einheitliche Trainings- und Ausbildungsstandards“ für die UN-Friedensmissionen. Dabei gehe es auch um die notwendige „Sensibilität“ für die Einsätze in einer Krisenregion. Gerade im Kongo hatten mehrfach UN-Soldaten Frauen vergewaltigt.

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