Zeitung Heute : Wertvolles Abwasser

Die Idee der Rieselfelder lebt wieder auf: So sollen die Folgen des Klimawandels eingedämmt werden

Kostbares Nass.
Kostbares Nass.Foto: picture-alliance/ dpa

Der Klimawandel macht sich in Brandenburg bereits heute durch längere Trockenperioden und sinkende Grundwasserstände bemerkbar. In den Landkreisen Barnim und Uckermark sind sie zwischen 1976 und 2005 teilweise über drei Zentimeter jährlich gesunken. Feuchtgebiete und die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen sind dadurch gefährdet.

Mit den Folgen dieser Entwicklung wird sich in den nächsten fünf Jahren der Forschungsverbund „Entwicklung eines integrierten Landmanagements durch nachhaltige Wasser- und Stoffnutzung in Nordostdeutschland“ (abgekürzt: Elan) beschäftigen. Ausgangspunkt ist die bisher gängige Praxis, dass gereinigtes Abwasser über Havel und Spree abgeleitet wird. Doch das kann sich die Region nicht mehr länger leisten: Das Wasser – ebenso wie die darin enthaltenen Nährstoffe – sollten in die Landschaft zurückgeführt werden.

Manch einer mag sich da an die Rieselfelder erinnert fühlen. Das Prinzip soll nun unter anderem Vorzeichen und mit innovativen Technologien wieder aufgegriffen werden. Martina Schäfer, Professorin am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin, die die an der Universität angesiedelten Teilprojekte koordiniert, erläutert: „Das Problem an den über fast 100 Jahre betriebenen Rieselfeldern war, dass das Abwasser ungereinigt auf Flächen vor die Tore Berlins geleitet wurde, was Böden und Grundwasser belastete.“ Nun soll die Qualität des Abwassers so sein, dass keine Gefahr für das Grundwasser besteht und zugleich der Wasserhaushalt stabilisiert wird.

„Elan“ wird im Rahmen des Förderprogramms „Innovative Systemlösungen für ein nachhaltiges Landmanagement“ des Bundesforschungsministeriums mit fünf Millionen Euro gefördert. Neben der Erforschung der naturwissenschaftlich-technischen und politisch-rechtlichen Voraussetzungen, gereinigtes Abwasser in die Natur zu leiten, sollen bereits an zwei Standorten innovative Abwassertechnologien und Landnutzungsformen erprobt und hinsichtlich einer dauerhaften Umsetzung untersucht werden.

Bei den Rieselfeldern Hobrechtsfelde im Norden Berlins handelt es sich um Flächen, die aufgrund ihrer früheren Nutzung eine hohe Schadstoffbelastung und gestörte Bodenstrukturen aufweisen. Hier wird erforscht, ob die Flächen bei einer Wiedervernässung zum Beispiel für den Anbau von Energiepflanzen oder Beweidung genutzt werden können. Bei dem zweiten Versuchsareal, der Randow-Welse-Niederung in Biesenbrow, handelt es sich um empfindliche Niedermoorgebiete. Sie sollen durch Klarwasser stabilisiert werden.

Ziel des Projekts ist es, übertragbare Lösungen für die gesamte Region Berlin-Brandenburg zu erarbeiten. Außerdem soll nach Möglichkeiten gesucht werden, wie die gewonnenen Erfahrungen in anderen Regionen Deutschlands vermarktet und eingesetzt werden können. Neben der TU Berlin sind an dem Forschungsverbund das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, die Humboldt-Universität zu Berlin, die Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde, das Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung in Erkner sowie die Berliner Wasserbetriebe beteiligt. msc/sys

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