Zeitung Heute : Westerwelle holt Reporter in Teheran ab

Frei nach vier Monaten / Treffen mit Ahmadinedschad – erste Spitzenbegegnung seit über sieben Jahren

Außenminister Westerwelle und Irans Präsident Ahmadinedschad am Samstag. Foto: rtr
Außenminister Westerwelle und Irans Präsident Ahmadinedschad am Samstag. Foto: rtrFoto: REUTERS

Berlin/Teheran - Nach gut vier Monaten in iranischer Haft sind zwei deutsche Reporter am Samstag freigelassen worden. Die beiden Männer wurden in Täbris deutschen Diplomaten übergeben und zur Botschaft nach Teheran gebracht, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) flog noch am Samstagabend nach Teheran, um die beiden „Bild am Sonntag“-Reporter mit einem Regierungsflugzeug zurück nach Deutschland zu holen. In Teheran kam es aber auch zu einer Begegnung mit der iranischen Führung, unter anderem mit Außenminister Ali Akbar Salehi. Westerwelle traf auch mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zusammen.

Bei dem Treffen mit Salehi dankte Westerwelle seinem iranischen Kollegen für dessen Engagement bei der Freilassung der Journalisten. Westerwelle machte nach der Begegnung in Teheran aber auch die bestehenden Differenzen mit der iranischen Führung deutlich. Der FDP-Vorsitzende nannte dabei den Streit um das iranische Atomprogramm sowie Menschenrechtsfragen und die demokratische Entwicklung im Iran.

Westerwelle ist seit siebeneinhalb Jahren der erste deutsche Außenminister, der den Iran besucht. Zuletzt war dort im Oktober 2003 der damalige Ressortchef Joschka Fischer (Grüne) zu Gast. Die Festnahme der beiden Journalisten war eine Belastungsprobe für das Verhältnis zwischen Deutschland und dem Iran.

Nach iranischen Medienberichten waren die Haftstrafen gegen die deutschen Journalisten in Geldbußen von je 35 700 Euro umgewandelt worden. Das sei auf dem Gnadenwege geschehen. Die beiden Reporter der „Bild am Sonntag“, Marcus Hellwig und Jens Koch, waren am 10. Oktober 2010 in der Provinzhauptstadt Täbris beim Versuch verhaftet worden, den Sohn und den Anwalt von Sakineh Mohammadi-Aschtiani zu interviewen. Die Frau war wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt worden.

Der Axel-Springer-Verlag, für dessen Haus die Reporter arbeiten, dankte Verleger- und Journalistenverbänden für die Unterstützung und Solidarität während der Haft. Westerwelle habe sich „mit großem persönlichem Engagement unermüdlich für die Freilassung der beiden Reporter eingesetzt“, sagte Vorstandschef Mathias Döpfner. Kurz vor der Freilassung war ein Gnadengesuch der Angehörigen an die Regierung in Teheran bekanntgeworden. Die Schwestern der Reporter sagten dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ mit Blick auf den Beginn des iranischen Neujahrsfestes Nowrus am 21. März: „Im Vorfeld dieses Feiertags wurden in den vergangenen Jahren viele Häftlinge begnadigt. Wir bitten die Führung in Teheran daher um Gnade auch für Marcus und Jens.“rtr/dpa/sop

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