Zeitung Heute : „Widerspruch ist nur ein Weg für wenige“

Wirtschaftsprofessor Schwintowski über die Rechte von Versicherungskunden

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Wie kann man ohne Schaden aus einer Lebensversicherung auszusteigen?

In den ersten 14 Tagen kann der Kunde Widerspruch gegen den Vertrag einlegen und ohne Angabe von Gründen kündigen.

Und danach?

Wenn man nach den ersten 14 Tagen raus will, muss man fehlinformiert worden sein. Dazu müssen jedoch die Verbraucherinformationen unrichtig oder unvollständig gewesen sein. Das ist etwa der Fall, wenn bestimmte Überschussentwicklungen nicht richtig dargestellt wurden. Wenn also die Verbraucherinformationen nicht gestimmt haben oder der Kunde falsch beraten wurde. Widerspruch ist nur ein Weg für ganz wenige, schließlich darf der Vertrag noch nicht ein Jahr bestehen.

Wer bestimmt, ob die Kunden richtig oder falsch informiert wurden?

Das Bundesaufsichtsamt. Man kann das auch gerichtlich klären lassen. Dann müssen die Gerichte die Bilanzen der Versicherer prüfen und feststellen, ob die Angaben bei Vertragsabschluss überhaupt stimmen konnten. Wenn nicht, kann man den Vertrag kündigen und Schadensersatz verlangen oder auf Erfüllung der urspünglichen Bedingungen pochen.

Wie ist es überhaupt zu der aktuellen Krise gekommen?

Hier handelt es sich um eine bilanzrechtliche Problematik. Die betroffenen Versicherungen haben keine Probleme, die Garantien auszuzahlen. Sie sind aber auch zur Direktgutschrift verpflichtet, das heißt das Geld muss da sein. Dafür fehlen gerade denen, die immer viel an ihre Kunden ausgezahlt haben, inzwischen die stillen Reserven.

Die Fragen stellte Moritz Schuller.

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