Zeitung Heute : Wie alles begann

Das US-Projekt Skype hat die Telefongesellschaften geärgert

Janko Röttgers

Niklas Zennström und Janus Friis haben mit ihrer Tauschbörse Kazaa die Musikwirtschaft in Aufregung versetzt. Jetzt schicken sie sich an, mit ihrem Projekt Skype abermals Branchenriesen ins Schwitzen zu bringen. Skype erlaubt kostenlose Telefongespräche über das Internet. Das soll den Anfang vom Ende der klassischen Telefongesellschaften darstellen. Zuspruch für diese gewagte These bekommen sie ausgerechnet von Michael Powell, dem Vorsitzenden der US-Telekommunikationsbehörde FCC. Powell erklärte, er habe nach der Installation von Skype erkannt, dass sich das traditionelle Telekommunikationsgeschäft nicht mehr aufrechterhalten lässt.

Bereits Mitte der Neunziger versuchten Firmen, das Netz zum Übertragen von Sprachverbindungen zu nutzen. Doch Voice over IP, wie die Technologie im Netz-Jargon genannt wird, erwies sich als Frühstart. Schlechte Verbindungsqualität und komplizierte Technologie machten das Netz-Telefonieren für Konsumenten uninteressant. Seit zwei Jahren erlebt die Technik dank Breitband-Angeboten ein Comeback.

Nie mehr Nummer merken

Einen Schub bekam der Voice over IP-Markt, als Skype 2003 eine Beta-Version seiner Software veröffentlichte. Es gab acht Millionen Downloads. Bis zu 220 000 Nutzer greifen gleichzeitig auf das Skype-Netz zu. Grund für die Popularität: die einfache Bedienbarkeit. Jeder Anwender kann eine Liste von Freunden anlegen, die anhand ihres Nutzernamens identifiziert werden. Der Verbindungsaufbau wird per Mausklick ausgelöst – wählen und Nummern merken entfallen. Skype ermöglicht auch kostenlose Konferenzschaltungen. Wer will, kann kinderleicht mit vier Bekannten gleichzeitig plaudern.

Das Programm überrascht durch eine angenehme Übertragungsqualität. Oft klingt die Verbindung besser als das Festnetztelefon. Im schlechtesten Fall hört sich ein Skype-Gespräch an wie eine leicht gestörte Handy-Verbindung – immer vorausgesetzt, beide Nutzer können auf eine Breitband-Verbindung zugreifen. Bisher brauchen Skype-Nutzer zum Telefonieren noch einen Windows-PC sowie ein Computer-Headset, das Mikrofon und Kopfhörer miteinander kombiniert.

Das geht auch mit dem Handy

Demnächst soll es eine Version für PDAs geben, die drahtlos ans Internet angebunden sind. Passend dazu stellte Nokia mit seinem Communicator 9500 ein Handy vor, das drahtlos aufs Internet zugreifen kann. Im Festnetz haben einige Telekom-Anbieter bereits die Zeichen der Zeit erkannt. So hat der US-Telefon-Riese AT&T angekündigt, ab sofort auch Internet-Telefonie anzubieten. Für einen Festbetrag von 40 US-Dollar pro Monat können Kunden dann so viel telefonieren, wie sie wollen – Verbindungen in Fest- und Mobilfunknetze eingeschlossen. Skype beschränkt sich dagegen bisher ganz aufs Internet. Verbindungen ins klassische Telefonnetz lassen sich mit dem Programm vorerst nicht aufbauen, seien aber geplant.

Im Netz:

www.skype.com

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