Zeitung Heute : Wie begegne ich der Besserwisserin?

Elisabeth Binder

Immer wieder sonntags fragen Sie

Seit einiger Zeit arbeite ich an einer neuen Schule und wurde kürzlich in einen Kreis von Kolleginnen aufgenommen, die sich gegenseitig einladen. Leider gehört auch eine extrem besserwisserische Kollegin dazu, die ich nicht ausstehen kann, weil sie jedes Gespräch verhindert. Ich habe gar keine Lust mehr, hinzugehen, mag aber auch nicht zu Ausreden greifen.

Es ist leider immer diese eine Person, die etwas Schönes zerstört: Ein dummer Konkurrent, ohne den der eigenen strahlenden Karriere nichts im Wege stünde, eine Nebenbuhlerin, die zwischen mir und der großen Liebe steht, eine Giftnatter auf der selben Etage, die das Klima im Wohnhaus zerstört. Ich kann gut verstehen, dass Sie keine Lust haben, ihre kostbare Zeit an die nervig dominierende Kollegin zu verschwenden. Andererseits ist es immer gut, im Kollegenkreis ein kleines Netzwerk zu pflegen. Und dieser Kreis scheint dazu gute Chancen zu bieten. Soll man wirklich den Kotzbrocken dieser Welt das Feld überlassen? Ich glaube nicht. Es wäre falsch, sich zurückzuziehen. Wenn Sie weiter zu den Runden gehen, dann treffen Sie ja auch die netten Kollegen. Da Sie offenbar Pädagogin sind, könnten Sie Ihre Talente doch vielleicht auch mal auf die Nervensäge ansetzen. Besserwisserei kann man auch in einer freundlich-sachlichen Tonlage entlarven, und wenn die andere Sie nicht zu Wort kommen lässt, könnten Sie sich doch, am besten mit ein bisschen gespielter Komik, darüber beklagen, dass Sie nie was sagen dürfen. Sehr wahrscheinlich werden Sie bei den netten Kolleginnen zusätzliche Punkte sammeln. Denn wenn die Frau so unangenehm ist, wie Sie schreiben, nervt sie ja nicht nur Sie, sondern auch andere. Meist ist man zu höflich, darüber zu reden, es wäre auch nicht fein, hinter ihrem Rücken zu lästern. Aber wenn Sie einmal anfangen, die Besserwisserin in ihre Schranken zu weisen, werden Sie vielleicht viele Mitstreiterinnen bekommen. Süffisanz kann sich übrigens auch aus Unsicherheit speisen, und wenn die Kollegin erkennt, dass das nicht ankommt, ändert sie vielleicht ihr Auftreten. Oder sie bleibt selber weg, was ich für die gerechtere und für alle Beteiligten angenehmere Lösung hielte.

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