Zeitung Heute : Wie beim Gärtnern etwas herauskommt

Dieter Zaller ist heilfroh, dass die Fläche neben seinem neuen Haus jetzt endlich grün ist. „Nun kann ich das hier wirklich Garten nennen, ohne immer nur mitleidig angeschaut zu werden“, sagt der 34-Jährige. Viel Arbeit sei es allerdings schon gewesen, obwohl sich der Barmann Hilfe geholt hat: Von einem Gartenbauarchitekten, der den Standort besichtigt hat und dann eine Skizze anfertigte.

Zaller hat sich vor zwei Jahren ein Haus gekauft – mit einem großen Garten, der damals allerdings noch nicht richtig angelegt war. „Es gibt da so einige Fragen, die man sich in Sachen Planung und Gestaltung stellen muss“, erinnert er sich. Und eigentlich unzählige weitere, die sich die Besitzer solcher „Urlandschaften“ stellen könnten. Anregungen habe er sich bei Spaziergängen durch verschiedene Gartencenter geholt. „So kam ich auf die Idee, eine kleine Gartenecke für meine Kinder einzurichten, in der sie ihre eigenen Beete pflegen können“, sagt der Barmann. Außerdem hat er ein kleines Mäuerchen hochgezogen, auf dem sein Kater es sich jetzt regelmäßig gemütlich macht. Beim Blick auf seine grüne Privatidylle witzelt Dieter Zaller: „Nur die Harten bauen einen Garten.“

Bevor er mit der Planung losgelegt hat, ließ der Neugartenbesitzer seinen Boden untersuchen. Und fand heraus, dass dieser genügend Nährstoffe enthält, um auch mit Beeten und anspruchsvollen Staudenpflanzungen zurechtzukommen. Eine solche Untersuchung sollte man übrigens alle vier Jahre machen lassen. Und er hat sich zusammen mit dem ihn beratenden Gartenbauarchitekten dafür entschieden, nicht nur einen Ziergarten anzulegen, sondern auch Obst und Gemüse anzubauen – zum Beispiel Erdbeeren, Zucchini und Äpfel.

Die größte Arbeit hat Dieter Zaller die Rasenbepflanzung gemacht. „Wegen der Kinder habe ich mich für eine sehr belastbare Sorte entschieden.“ Zunächst musste er den Boden von Unkraut, Steinen und Wurzeln befreien, die Fläche begradigen und dann etwa zwei Wochen ruhen lassen. Nach der Bepflanzung sollte er den Boden feucht halten – und darauf achten, dass seine Kinder dort nicht „Fangen“ spielen. Sondern nur auf den Platten, aus denen Dieter Zaller schon vorher einen kleinen Pfad geschaffen hatte.

Eine Regentonne gibt es in Zallers neuem Garten übrigens nicht: Sein Regenwasser sammelt der Barmann in einem Wassertank, den er sich in den Boden legen ließ. In den riesigen Behälter passen mehr als tausend Liter Wasser, die man bequem herauspumpen kann.

Auch Franziska Wünsch, Diplomingenieurin für Landschaftsarchitektur, fallen eine ganze Reihe an Gesichtspunkten ein, die bei der Gartenplanung beachtet werden müssen: „Ist der Boden durchlässig, sandig, sauer oder basisch, und handelt es sich generell um einen vollsonnig-trockenen Standort, oder gibt es auch schattig-feuchte Bereiche?“, gibt die Ingenieurin zu bedenken. Erkennen könne man dies zum Beispiel an den sogenannten Zeigerpflanzen – zum Beispiel Brennnesseln, die auf einen stickstoffreichen Boden hinweisen. Oder Sauerampfer, der auf kalkarmem Grund wächst. Weiterhin sei zu berücksichtigen, wie der Tagesgang des Sonnenlichtes verlaufe, und ob irgendwo Wind- beziehungsweise Regenschatten herrsche. Schattige Gebiete eignen sich im neu entstehenden Garten sehr gut für Ruheplätze, der Halbschatten für Rosenbeete. Auf richtig sonnigen Fleckchen gedeihen Staudenbeete, Gemüse- oder Kräutergärten. Wenn ein Garten länger erscheinen soll, als er ist, sollte man an den Seiten übrigens hohe Pflanzen wachsen lassen.

Ein weiterer Fragenkatalog betrifft das Haus: „In puncto Materialwahl muss entschieden werden, ob die Elemente der Gartengestaltung mit der Architektur im Einklang stehen oder einen Kontrast zu ihr bilden sollen,“ erklärt Franziska Wünsch. Bei der Auswahl der Gestaltungselemente – also der Wege, Brüstungen, Mauern, Treppen oder Geländer – sollte dieser Gesichtspunkt immer im Hinterkopf sein.

In Abhängigkeit von der Grundstücksgröße sollten sich Gartenbesitzer dann auch überlegen, welche Räume in der Gestaltung den Schwerpunkt darstellen, und welche eher zurücktreten und, so formuliert es Franziska Wünsch, „eine Kulisse bilden“. „Dann müsste man entscheiden, ob man eher einen introvertierten gemütlichen Raum oder eine weite Blickbeziehung mit der Landschaft haben möchte“, sagt die Ingenieurin.

Wichtig sei außerdem die Frage, wie sehr man sich von der Außenwelt abgrenzen will. „Hierbei ist auch der jahreszeitliche Aspekt zu berücksichtigen, denn eine sommergrüne Hecke gewährt natürlich immer Winter größere Einblicke.“ Bei manchen Laubgehölzen, Hainbuchen zum Beispiel, bleibe das Laub den Winter über recht lange hängen.

Und auch, wer gerne Zeit im Garten verbringt, muss sich überlegen, ob er dort lieber faulenzen oder arbeiten möchte – denn davon hängt ab, ob man sich eher für eine pflegerisch aufwändige oder eine natürlich-dynamische Bepflanzung entscheiden sollte. Für die Kinderecke im Garten eignen sich übrigens unkomplizierte Pflanzen wie die gradezu rasend schnell wachsende Schlinger, aber auch Sonnenblumen und die essbare Kapuzinerkresse. Die auch Osternester schöner macht.

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