Zeitung Heute : Wie bekomme ich mein Geld zurück?

Elisabeth Binder

Immer wieder sonntags fragen Sie

Vor einiger Zeit hat sich eine Freundin von mir Geld geliehen. Leider macht sie keine Anstalten, es zurückzuzahlen. Es handelt sich zwar nur um 100 Euro, aber ich fände es korrekt, wenn sie von sich aus damit ankäme. Oder soll ich sie erinnern? Und wie würde ich das am besten tun?

Ich würde nicht gleich böse Absicht unterstellen. Vielleicht hat sie ihren Kredit ja vergessen oder verdrängt. Das würde ich für noch wahrscheinlicher halten, wenn es sich um zehn Euro handelte, die man sich mal schnell ausborgt. 100 Euro einfach so zu vergessen, scheint mir, sagen wir, nicht ganz einfach zu sein. Wenn Sie den Verdacht haben, dass es Ihrer Freundin gerade finanziell nicht so gut geht, und Ihnen 100 Euro nicht so weh tun, würde ich erst mal gar nichts sagen. Vielleicht haben Sie ihr einfach nur geholfen, in einer schwierigen Situation das Gesicht zu wahren. Ist die Freundin in einer vergleichbaren finanziellen Situation wie Sie oder reicher, sieht die Sache anders aus. Man muss ja nicht gleich die Pistole ziehen und sagen: „Her mit dem Geld.“ Aber ein vorsichtiges „War da nicht noch was?“, und, wenn das auf Unverständnis stößt, ein deutlicheres „Hatte ich dir nicht letztens mal Geld geliehen?“ wäre schon angebracht.

Leider sind gerade ganz gut situierte Leute oft besonders schlampig. Wenn das heißt, dass sie Geld nicht unnötig ernst nehmen, kann das ja sympathisch wirken; aber dann braucht man auch keine falsche Scham zu haben, sie anzusprechen. Umgekehrt möchte ich jeden, der sich hin und wieder mal kleine Beträge für Zigaretten oder Kantinenessen bei Freunden und Kollegen ausborgt, dazu ermutigen, sich das zu notieren, und zwar an einem gut sichtbaren Ort. Manche Menschen sind da einfach empfindlich, das muss man respektieren, und eigentlich kann man in Gelddingen ja auch gar nicht genau genug sein. Jedenfalls dort, wo es um das Geld der anderen geht.

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