Zeitung Heute : Wie Berlin gut ankommt

Sicherheit im Straßenverkehr ist Motto des Gesundheitstags

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In diesem Jahr steht der Weltgesundheitstag bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter dem Motto „Sicher fahren – gesund ankommen“. Das Risiko, im Straßenverkehr einen Unfall zu erleiden, sei gerade in den Entwicklungsländern sehr hoch. Aber auch in den Industrienationen bleibt es ein wichtiges Ziel, die Zahlen zu reduzieren. Nach Schätzungen der WHO starben im Jahr 2000 weltweit etwa 1,26 Millionen Menschen im Straßenverkehr.

6500 Verkehrstote gab es im Jahr 2003, davon 77 in Berlin. Es trifft meist die Schwächsten. Die Polizei nennt sechs Risikogruppen: Kinder, Rentner, junge Erwachsene (18 bis 24 Jahre), Fußgänger, Rad- und Motorradfahrer.

95 Prozent aller Unfälle sind von Menschen verschuldet, nur fünf Prozent sind auf mangelhafte Technik zurückzuführen, sagt die Berliner Polizei. „Von Menschen“ heißt oft durch bewusste Missachtung sämtlicher Regeln und Gesetze, und durch „Rechthaberei und Überheblichkeit“.

Dagegen setzt die Polizei Geschwindigkeitskontrollen. Der Überwachungsdruck ist deshalb gesunken in Berlin. Ein Beispiel: 2003 wurde das Tempo von 8,8 Millionen Autos gemessen, 2002 waren es 10,1 Millionen. Im Gegenzug steigt die Aggressivität im Straßenverkehr: So flüchteten im vorvergangenen Jahr zehn Autofahrer, nachdem sie einen Menschen totgefahren hatten – so viele wie in den drei Jahren davor zusammen.

Unter den „Risikogruppen“ sind die Radfahrer diejenigen, für die derzeit am meisten getan wird – besonders heftig wird seit den jüngsten aufsehenerregenden Unfällen um einen besseren Schutz für Zweiräder diskutiert. Zum einen soll im Jahr 2007 ein zusätzlicher Außenspiegel in der Europäischen Union Pflicht werden, der die Unfälle im „toten Winkel“ verhindern soll. Zu spät und zu halbherzig, kritisiert der Fahrradclub ADFC. In Holland sei ein besserer Spiegel schon seit 2003 Pflicht, betont der ADFC. Dort sank die Zahl der schwerverletzten und getöteten Radfahrer seitdem deutlich.

Radfahrer sind in Berlin auch deshalb so gefährdet, weil sie häufig miserable Radwege oder Gehwege benutzen müssen. Erst vor wenigen Jahren hat hier ein Umdenken eingesetzt: Radfahrer sollen wieder auf die Straße, denn dort werden sie von abbiegenden Autofahrern rechtzeitig gesehen. In den 70er und 80er Jahren wurden Radler auf „eigene“ gepflasterte Wege komplimentiert, damit Autos die Fahrbahn allein haben. Die erste Verbesserung für Radfahrer kam 1998. Durch eine Änderung der Straßenverkehrsordnung müssen Radwege nur noch benutzt werden, wenn ein Schild dies vorschreibt. Dies betrifft 250 der 750 Kilometer Radweg. Die Zukunft heißt „Radspur“. Das sind weiß markierte Streifen auf der Fahrbahn, deutlich billiger und sicherer als die herkömmlichen Radwege. Seit dem Jahr 2000 haben Fahrradfahrer einen „Fahrradbeauftragten“ beim Berliner Senat. Fußgänger, die mit 40 Prozent der Verkehrstoten die am meisten gefährdete Gruppe bilden, haben weder einen „Beauftragten“, noch gibt es Geld für Verbesserungen, etwa für sichere Ampelschaltungen mit längerer Grünphase.

Die Berliner Polizei setzt 74 Beamte als Verkehrssicherheitsberater ein. So legen alle Schüler der 4. Klassen eine Radfahrprüfung ab. In der 1. und 2. Klasse bietet die Polizei zudem ein Fußgängertraining an. Mit speziellen – aber seltenen – Aktionen versucht zum Beispiel die Brandenburger Polizei junge Autofahrer zu erreichen. Da werden Autowracks am Wochenende vor Diskotheken aufgestellt – zur Abschreckung. Anders als in Berlin ist im Flächenland Brandenburg die Zahl der jungen Menschen, die unter Drogen oder Alkoholeinfluss nachts gegen einen Baum rasen, erschreckend hoch. Ha

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