Zeitung Heute : Wie das Riester-Sparen funktioniert Startschuss für den Endspurt Welches Produkt für welchen Kunden?

Wer die Zulagen erhält und wie hoch sie derzeit sind Auch Verbraucherschützer empfehlen jetzt die Riester-Rente. Wer die Zulagen für 2002 will, muss nun handeln Das Angebot ist groß. Wir sagen Ihnen, welcher Riester-Vertrag für Sie der richtige ist

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1. Wer kann die Förderung beantragen?

Grundsätzlich können alle Arbeitnehmer, die Beiträge zur Sozialversicherung zahlen, in den Genuss der Riester-Förderung kommen. Auch wer Arbeitslosengeld oder -hilfe bezieht, kann die Riester-Zulagen beanspruchen. Dassselbe gilt für Wehr- und Zivildienstleistende sowie Eltern, die wegen der Erziehung ihrer Kinder in den ersten drei Jahren zu Hause bleiben. Nachgebessert wurde die Förderung der Beamten. Auch diese können jetzt – genauso wie Richter und Soldaten – unter bestimmten Voraussetzungen die staatliche Förderung in Anspruch nehmen. Keine Vergünstigungen erhalten dagegen Selbstständige und berufsständisch Versicherte. Aber: Leben Ehegatten zusammen und gehört nur einer zum Kreis der geförderten Personen, kann auch der andere einen eigenen Riester-Vertrag abschließen und die Zulagen erhalten.

2. Wie hoch sind die Zulagen?

Wer einen Riester-Vertrag abschließt, kann staatliche Zulagen beanspruchen. Diese setzen sich zusammen aus einer Grundzulage, die jeder Riester-Berechtigte erhält, und einer Zulage für jedes Kind. Haben beide Eltern einen Riester-Vertrag, werden die Kinder-Zulagen automatisch der Mutter zugeschlagen. Ehepaare können aber auch eine andere Regelung beantragen.

4. Was muss ich selber einzahlen?

Um in den Genuss der vollen Zulagen zu kommen, müssen – mit Ausnahme der nicht erwerbstätigen Ehepartner – alle Riester-Berechtigten auch eigene Beiträge zahlen. Für die Jahre 2002 und 2003 gilt: Die vollen Zulagen gibt es nur dann, wenn man mindestens ein Prozent vom Bruttolohn für das Riester-Sparen einsetzt. In dem Rechenmodell 1 der Tabelle „Die besten Riester-Produkte“ müsste der Single ein Prozent von 25 000 Euro, also 250 Euro, sparen. Von den 250 Euro gehen 38 Euro Zulage ab. Der Mann muss also noch 212 Euro selber einzahlen. Hätte er Kinder, würde sich sein Eigenbeitrag um die jeweiligen Kinderzulagen vermindern.

5. Gibt es Mindestbeiträge?

Ja. Der Gesetzgeber will, dass die Bürger selbstständig für ihr Alter vorsorgen. Deshalb soll jeder einen Eigenbeitrag für die Vorsorge leisten. Für dieses Jahr liegt der Mindestbeitrag bei 45 Euro, mit einem Kind bei 38 Euro, bei zwei und mehr Kindern bei 30 Euro. Diese Sockelbeiträge steigen in den kommenden Jahren an. Von der Pflicht, einen eigenen Beitrag zu leisten, sind nur Ehepartner ohne eigenes Einkommen ausgenommen. Hausfrauen können einen Riester-Vertrag abschließen, bei dem der Versicherungsbeitrag ausschließlich aus den staatlichen Zulagen besteht.

6. Welche Steuervorteile hat das Riester-Sparen?

Die Beiträge zum Riester-Vertrag – Eigenleistungen und Zulagen – sind während der Ansparphase steuerfrei. Dafür muss allerdings später die Riester-Rente versteuert werden. Hinzu kommt, dass jeder Riester-Sparer in der Steuererklärung seinen Versicherungsbeitrag voll als Sonderausgaben absetzen kann. Übersteigt die Steuerersparnis die Höhe der Zulagen, schreibt der Fiskus die Differenz gut. Vom Sonderausgabenabzug profitieren vor allem Kinderlose und Besserverdienende. Je höher ihr Versicherungsbeitrag, desto größer die Steuergutschrift. Damit die Riester-Rente nicht zum neuen Steuersparmodell mutiert, hat der Gesetzgeber jedoch Höchstgrenzen eingezogen. Für dieses Jahr beträgt der maximale Versicherungsbeitrag 525 Euro, bis zum Jahr 2008 wird der Maximalbeitrag auf 2100 Euro steigen. Heike Jahberg

RENTENSPAREN VOM WEIHNACHTSGELD: WIE DER STAAT BEI DER PRIVATEN VORSORGE HILFT

Von Heike Jahberg

Ein Trost bleibt Walter Riester (SPD). Zwar wird er seinen Ministerposten los, die nach ihm benannte Riester-Rente besteht jedoch fort. Das freut den scheidenden Arbeitsminister. „Es ist besser, wenn der eigene Name mit der Rente verbunden wird, als mit einem Hering – wie bei Bismarck“, sagt Riester über sein Vermächtnis.

Dabei stand es bis vor kurzem gar nicht gut um die Riester-Rente. Obwohl der Staat die private Altersvorsorge mit Zulagen und Steuerersparnissen in Milliardenhöhe unterstützt, hielten sich die Verbraucher zurück. Nach Berechnungen der Versicherungswirtschaft könnten theoretisch über 36 Millionen Menschen einen Riester-geförderten Sparvertrag abschließen. Doch selbst Branchenprimus Allianz Leben bringt es derzeit nur auf gut 500 000 Abschlüsse, erhofft hatte man sich das Doppelte. Verantwortlich für die Zurückhaltung der Kunden sind nach Meinung der Anbieter die Verbraucherschützer und die Politik. Die Verbraucherschützer, weil sie die Kunden aufgefordert hatten, mit dem Vertrag zu warten, bis verlässliche Tests vorliegen, und die Bundesregierung, weil sie die Versicherer bei der gemeinsamen Riester-Sache im Stich gelassen habe.

Regierung soll werben

„Ich hoffe, dass auch die Bundesregierung endlich für ihre Rentenreform wirbt", sagt Allianz Leben-Vorstandschef, Gerhard Rupprecht: „Man kann doch die Information der Verbraucher nicht allein den Anbietern überlassen.“ Zudem solle die Bundesregierung auch das bürokratische Zulagenverfahren vereinfachen. Statt der bislang geltenden Stufenlösung sollten die Kunden von Anfang an vier Prozent ihres Bruttoeinkommens in den Riester-Vertrag einzahlen können. Und: Die gesamte Riester-Förderung sollte nach den Vorstellungen der Allianz vom individuellen Vertrag abgekoppelt und pauschal gewährt werden – wie beim Kindergeld.

Ob die Unterhändler von SPD und Grünen diese Wünsche umsetzen, bleibt abzuwarten. Einig sind sich alle: Das Riester-Sparen ist zu bürokratisch. Das Zulagenverfahren muss vereinfacht werden. Was das für die einzelnen Produkte bedeutet, bleibt abzuwarten. Im Raum steht auch noch die Idee der Koalitionäre, Riester-Förderung, Eigenheimzulage, Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmer-Sparzulage zu einem Instrument zusammenzufassen und mit einem einheitlichen Höchstbetrag zu deckeln.

Dass die Riester-Förderung wieder komplett aufgehoben wird, erwartet jedoch niemand. Immerhin soll die Riester-Rente die Lücke schließen, die durch das sinkende Niveau der gesetzlichen Rente entstanden ist. Zudem sind inzwischen alle Anbieter mit privaten Riester-Produkten auf dem Markt. Manche Betriebe rechnen die Riester-Zulagen, die ihren Beschäftigten zustehen, sogar auf die betriebliche Altersvorsorge an – die Arbeitnehmer profitieren dann doppelt.

755 Euro Rente zusätzlich

Auch Verbraucherschützer finden das Riester-Sparen inzwischen gut. Zwar musste die Stiftung Warentest ihren Rententest wegen eines entscheidenden Rechenfehlers wiederholen, am positiven Fazit für die private Altersvorsorge änderte das nichts. Im Gegenteil: Nach den Berechnungen der Stiftung kann die Riester-Rente den Versicherten im Alter monatlich ein hübsches Sümmchen einbringen. Sollte Testsieger Asstel tatsächlich eine Rendite von 6,57 Prozent erwirtschaften (siehe Tabelle), würde der 30-jährige Single (Modell 1) jeden Monat 755 Euro kassieren, wenn er mit 65 in Rente geht. Allein die garantierten drei Prozent Versicherungsrendite machen eine Monatsrente von 270 Euro aus.

Viele Arbeitnehmer haben bewusst bis jetzt abgewartet. Denn demnächst kommt das 13. Monatsgehalt, das viele für den Riester-Vertrag reserviert haben. Noch ist Zeit: Die volle Förderung für das Jahr 2002 gibt es selbst dann noch, wenn der Vertrag erst am Jahresende geschlossen wird. Zumindest solange die Koalitionäre nichts anderes beschließen.

Das Angebot ist riesengroß. Riester-Zulagen gibt es nicht nur, wenn man Rentenversicherungen abschließt. Gefördert werden auch Fonds- und Banksparpläne, unter engen Voraussetzungen auch der Immobilienerwerb sowie Angebote der betrieblichen Altersvorsorge. Allerdings kann man bei Betriebsrenten die Riester-Förderung nur dann in Anspruch nehmen, wenn sich der Arbeitgeber dazu bereit erklärt. Viele Betriebe scheuen bislang den hohen bürokratischen Aufwand, der mit den Riester-Zulagen verbunden ist.

Bitte beachten Sie, dass sich im Zuge der Koalitionsverhandlungen Einzelheiten ändern können. Bislang sieht das Angebot an Riester-geförderten Produkten so aus:

Private Rentenversicherungen: Renten-Policen gibt es in drei verschiedenen Varianten. Bei der klassischen Rentenversicherung investiert der Versicherer das Geld in überwiegend sichere Kapitalanlagen wie Zinspapiere. Mit einer guten klassischen Police kann ein 30-jähriger Single eine Rendite von bis zu 6,57 Prozent erwarten, hat die Stiftung Warentest ausgerechnet (siehe Tabelle). Dabei muss man unterscheiden zwischen der garantierten Versicherungsrendite, die – je nach Gesellschaft – bei bis zu drei Prozent liegen kann und der prognostizierten Überschussbeteiligung, die vom Versicherer zwar erwartet, aber nicht garantiert wird. Für Anleger, die bis zur Rente nicht mehr viel Zeit haben oder aus anderen Gründen besonders hohen Wert auf Sicherheit legen, sind klassische Rentenversicherungen eine gute Wahl, sagen die Verbraucherschützer.

Riskanter, aber auch renditeträchtiger sind dagegen fondsgebundene Rentenversicherungen. Hier investiert der Versicherer einen Teil des Geldes in festverzinsliche Anlagen und einen Teil in Investmentfonds. Anleger haben die Wahl zwischen Fonds mit begrenztem und hohem Fondsanteil. Wer das Risiko eingrenzen möchte, aber mehr Rendite will als bei einer klassischen Rentenversicherung, sollte eine Police mit begrenztem Fondsanteil wählen. Risikofreudige Riester-Sparer können Verträge mit hohem Fondsanteil wählen. Schlimmstenfalls bekommt man später nur die eingezahlten Beiträge und die staatlichen Zulagen als Rente zurück.

Fondssparpläne: Riester-Fonds sind staatlich geförderte Fondssparpläne, bei denen der Kunde das angesparte Fondsvermögen frühestens ab dem 60. Lebensjahr als lebenslange Rente ausgezahlt bekommt. Ab dem 85. Lebensjahr muss jedoch in eine private Rentenversicherung umgeschichtet werden. Fondssparpläne sind für Sparer geeignet, die eine möglichst hohe Rendite wollen und dafür bereit sind, Risiken einzugehen. Denn die Riester-Garantie, dass der Sparer am Vertragsende in jedem Fall die eingezahlten Beiträge bekommt, bezieht sich nur auf den Rentenbeginn. Wer vorzeitig aus seinem Riester-Fonds aussteigt, kann dagegen erhebliche Vermögensverluste erleiden.

Banksparpläne: Werden vor allem von Sparkassen und Volksbanken angeboten. Einzahlungen und Zinsen werden angesammelt, wobei die meisten Institute jedoch Bonussparpläne mit variablem Zins anbieten. Nach Berechnungen der Stiftung Warentest differieren die Renditeerwartungen – je nach Produkt und Laufzeit – zwischen 2,12 und 5,79 Prozent (Finanztest 8/2002).

Entnahmepläne: Von seinem Vorsorgekonto darf jeder Sparer zwischen 10 000 und 50 000 Euro entnehmen, um eine Immobilie zu kaufen und selbst zu nutzen. Allerdings muss das Geld bis zum 65. Lebensjahr wieder auf das Vorsorgekonto eingezahlt werden. Vorteil für den Kunden: Zurückzahlen muss er nur das Kapital, aber keine Zinsen. Der Entnahmeplan ist daher praktisch ein unverzinstes Immobiliendarlehen. Heike Jahberg

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