Zeitung Heute : Wie der Berufseinstieg gelingt

Im dualen Studium werden Studiengänge mit Berufsausbildungen verzahnt. Der Bereich Tourismus ist in Berlin zukunftsträchtig

Studium oder Ausbildung? Das ist häufig die erste entscheidende Frage. Praktisches Arbeiten und Geld verdienen oder doch lieber ein theoretisches Fachwissen erwerben? Diese Frage stellte sich als zweite. Bei einem dualen Studium lauten die Antworten stets „Ja“. Foto: dpa
Studium oder Ausbildung? Das ist häufig die erste entscheidende Frage. Praktisches Arbeiten und Geld verdienen oder doch lieber...Foto: gms

Wer nicht unbedingt eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, sondern sein Hochschulwissen gleich in die Tat umsetzen will, ist im dualen Studium richtig. Denn „dual“ bedeutet hier die gleichwertige Verknüpfung von Theorie an der Uni und Praxis in einem Partnerunternehmen.

Bei praxisintegrierten Studiengängen wird parallel zu Vorlesungen und Seminaren ein Volontariat in einem Unternehmen absolviert, während bei ausbildungsintegrierten Studiengängen sogar eine Berufsausbildung mit IHK- oder HWK-Abschluss zusätzlich zum Bachelor auf dem Programm steht. Unternehmen und Hochschulen arbeiten dafür eng zusammen und ermöglichen so eine Verzahnung von theoretischer und praktischer Ausbildung. Dabei variiert die Länge des Studiums zwischen sechs und zehn Semestern, je nach Fach, Aufbau und Bundesland, wobei sich in der Regel Theorie- und Praxisphasen alle drei Monate abwechseln. Netter Nebeneffekt: Wer dual studiert, erhält von seinem Ausbildungsbetrieb eine Vergütung – auch während der Theoriephasen.

Für die Unternehmen ist das eine Investition in die Zukunft. „Die eigene Ausbildung zukünftiger Mitarbeiter und Führungskräfte hat als strategische Komponente der Unternehmensführung eine große Bedeutung", sagt Hans- Georg Kny, Senior-Fachexperte bei Siemens Professional Education. „Die Ausbildung hoch qualifizierter Mitarbeiter, besonders die Vermittlung von technischem Know-how, sichert die Zukunft und die Position eines Unternehmens im internationalen Wettbewerb.“ Die dualen Studiengänge seien dabei ausgesprochen zukunftsträchtig. Eine Win-Win-Situation für Unternehmen, Hochschulen und Studierende.

„Das duale Studium hat den Vorteil, dass man als Student regelmäßig Geld verdient, das Ausbildungsunternehmen sehr gut kennenlernt und dort Workshops besuchen kann, die nicht auf dem normalen Hochschullehrplan stehen“, sagt Nils Frohloff, Gründer und Geschäftsführer der Internetplattform duales-studium.de. Er selbst hat an der FH Südwestfalen und bei Siemens in Paderborn Wirtschaftsingenieurwesen dual studiert. Besonders profitiert habe er dabei von den Kommunikationstrainings. „So etwas lernt man an der Uni nicht“, sagt er und betont, dass auch die persönlichen Netzwerke, die man sich im Unternehmen aufbaut, später von großem Vorteil sind, egal ob man im Ausbildungsbetrieb bleibt oder nicht.

Denn trotz einer Übernahmequote von fast 90 Prozent und rosigen Karriereaussichten, bleibt nicht jeder duale Student im Ausbildungsunternehmen. So auch Frohloff. Obwohl man ihm nach dem Diplom bei Siemens eine Stelle angeboten hat, zog es ihn zu einem mittelständischen Maschinenbauer, wo er als IT- und Vertriebsleiter tätig war und selbst einen dualen Studenten ausgebildet hat. Später hat er dann in Australien einen MBA gemacht und sich schließlich mit einer Unternehmensberatung selbstständig gemacht.

Damit beweist er eindrücklich, dass man mit einem dualen Studium Karriere machen kann, genauso wie Thomas Edig, Personalvorstand bei Porsche, oder Martina Koederitz, Vorsitzende der Geschäftsführung von IBM Deutschland. Denn oft gilt dieser Ausbildungsweg noch als zu wenig akademisch, zu praxislastig und verschult. Andererseits begrüßen immer mehr Arbeitgeber die Berufserfahrung, die Absolventen neben dem Wissen von der Hochschule mitbringen, was sich in guten Aufstiegschancen bei entsprechendem Gehalt niederschlägt.

„Wir sprechen hier von einem Intensivstudium, für das man viel Engagement mitbringen muss“, sagt Dorle Linz, zuständige Dekanin an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR). Gerade hat sie für den Studiengang „International Business Administration“ die Zulassungsbescheide herausgegeben. „Bei diesem zweisprachigen Bachelor haben dieses Jahr alle 30 Studierenden Abiturnoten zwischen 1,0 und 1,4.“ Ausgewählt wurden sie von den Partnerunternehmen, bei denen sie sich für das praxisintegrierte duale Studium beworben haben. Der Andrang ist aber in allen Fächern hoch und Bewerbungsfristen enden bereits ein Jahr im Voraus. Beliebt seien diese Studienplätze auch wegen ihrer Anschlussfähigkeit, so Linz. „Unsere Absolventen können im Anschluss problemlos in ein normales Master-Programm wechseln oder aber an der HWR berufsbegleitend den dualen Master in Prozess- und Projektmanagement machen, der sowohl für BWLer, also auch für Ingenieure interessant ist.“

Zwar hat sich das duale Studium vor allem in den Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften etabliert, aber die Bereiche Soziales und Gesundheit sind stark im Kommen, in Berlin auch Tourismus. Immer mehr Unternehmen und soziale Einrichtungen vom Textileinzelhandel bis zum Jugendhaus erkennen den Mehrwert des dualen Studiums als Instrument zur Sicherung künftiger Führungskräfte. Die Telekom hat für ihre dualen Studiengänge sogar eine eigene Hochschule in Leipzig gegründet.

„Es gibt kaum einen Beruf, für den es nicht ein passendes Studium gibt“, sagt Dirk Bachem, Autor des Buchs „Das Duale Studium“, das gerade im VAWW Verlag erschienen ist. „Denn die Berufsbilder werden komplexer. Wer ein duales Studium absolviert, hat gute Karten für die Zukunft und spart Zeit in der Ausbildung.“

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