Zeitung Heute : Wie der Kauf rauscht

Dagmar Rosenfeld

Der Ladenschluss steht vor dem Kippen. Was kostet es, wenn die Läden immer geöffnet sein dürfen?

Geschäfte, die während der Woche bis Mitternacht und auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet haben – das ist für die Kunden natürlich eine feine Sache. Für den Einzelhandel aber bedeuten längere Öffnungszeiten zunächst einmal mehr Kosten: zusätzliches Personal muss eingestellt, Feiertags- und Spätzulagen gezahlt werden. Die Lampen in Geschäften und Kaufhäusern brennen länger, Rolltreppen und Kassensysteme sind länger in Betrieb – auch das kostet. Höhere Kosten, die die Händler dann auf die Preise abwälzen werden, sagen die Gewerkschaften, die gegen längere Ladenöffnungszeiten sind. Und am Ende sei dann der Verbraucher der Dumme.

Das aber ist unwahrscheinlich. Schon jetzt ist der Preiskampf im Einzelhandel gnadenlos. Denn die Händler wissen: Potenzielle Kunden achten wie nie zuvor auf den Preis – und nur wenn der stimmt, floriert das Geschäft. Die höheren Kosten auf die Preise überwälzen – das wird mittelfristig für den Handel eine Illusion bleiben. Vielmehr macht der Handel mit längeren Öffnungszeiten eine Wette auf die Verlagerung von Handelsströmen – raus aus den ländlichen Gebieten hin zu den Innenstädten und den Speckgürteln drum herum. Oder, weg von der Tankstelle hin zu kleineren 24-Stunden-Supermärkten.

Ohnehin werden sowieso nur die Geschäfte länger geöffnet haben, für die es sich auch rentiert. Denn schon jetzt nutzen längst nicht alle Einzelhändler die Öffnungszeiten an Samstagen bis 20 Uhr. Ein erweiterter Ladenschluss ist kein Zwang für die Händler. Wenn das Bundesverfassungsgericht also am Mittwoch die Regelung des Ladenschlusses lockert, dann wird es in Deutschland so ähnlich werden wie in Frankreich, Irland und den USA. Da öffnen und schließen die Läden nach Bedarf.

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