Zeitung Heute : Wie diese Stadt klingt

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In Riad macht es einen Unterschied, wo man herkommt. Ich habe oft erlebt, wie man mich für einen Amerikaner hielt, sich abweisend verhielt. Als herauskam, dass ich Deutscher bin, wurden die Saudis freundlicher, luden mich zum Tee ein. Vor dem Ausbruch des zweiten IrakKrieges habe ich in Riad nie Angst empfunden. Ich konnte mich frei in der Stadt bewegen, auch in den armen Gebieten. Natürlich gibt es in Riad keine Kinos, keine Diskotheken, nicht einmal Straßenmusik. Der Klang der Stadt besteht aus Kindergeschrei und Autolärm. Aber wir hatten eine gute Zeit, gingen abends in die Altstadt, schlenderten durch die Einkaufszentren, fuhren mit Geländewagen in die Wüste. Ich habe auf einen Marathon trainiert und bin viel gejoggt.

Mit den Anschlägen kam ein anderes Leben. Du fühlst dich wie ein Tier in der Falle. Terroristen drangen in eine Siedlung ein und töteten 35 Menschen. Niemand wollte allein bleiben, wir hatten ständig Bekannte zu Besuch. Zehn Prozent der Ausländer verließen die Stadt. Es ist allerdings nicht leicht, abzuhauen. Man braucht nicht nur ein Einreise-, sondern auch ein Ausreisevisum. Für die Europäer bei großen Firmen ist das kein Problem, aber wenn dein saudischer Arbeitgeber nicht mitspielt, hängst du fest.

Ich habe in Riad im Büro für Stadtentwicklung gearbeitet. Die Stadt wächst in einem außerordentlichen Tempo, die Einwohnerzahl sprang in fünf Jahren von 3,1 auf 4,5 Millionen. Die gesamte Stadt hängt von der Arbeit der Ausländer ab. Ob Putzfrauen, die Wasserversorgung, die Elektrizität und natürlich das Öl, die qualifizierten Arbeiter sowie das untere und mittlere Management werden überwiegend von Ausländern gestellt.

Zusammengestellt von Wolfram

Eilenberger

Klaus Leiblein, 35 Jahre. Als Bauingenieur war der

Deutsche zwei Jahre für ein Stadtentwicklungsprojekt in Riad tätig. Im Juni 2003 kehrte er nach Deutschland zurück.

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